te, weil ich selbst nicht darnach lebte.
Doch hat solcher Friede mit der Welt
meinem Hertzen keine ruhe bringen kön-
nen. Sondern die Sorge für das zu-
künfftige, Ehrsucht, Begierde alles zu
wissen, Gesuch menschlicher Gunst und
Freundschafft, und andere dergleichen aus
der Welt Liebe fliessende Laster, inson-
derheit aber der immer heimlich na-
gende Wurm eines bösen Gewissens,
daß ich nicht im rechten Zustande wäre,
trieben mein Hertz als ein ungestümes
Meer bald auff die eine bald auff
die andere Seite, ob zwar solches sich
öffters gleichsam versteckte, daß ichs
in äusserlicher Fröligkeit offt andern
zuvorthate. In solchem Zustande habe
ich die meiste Zeit zu Leipzig zubracht,
und kan mich biß Anno 1687 nicht
erinnern, daß ich eine recht ernstliche
und gründliche Besserung vorgenommen
hätte. Aber gegen das 24 Jahr mei-
nes Alters fienge ich an in mich zu
schlagen, meinen Elenden Zustand ti[effer]
zu erkennen, und mit größerem
Ernst mich zu sehnen, daß meine Se[ele]
davon möchte befreyet werden. //Solte ich sagen, was mir zu erst Gelegen-
heit dazu gegeben, wüste ich ausser der alle-
zeit zuvorkommenden Gnade Gottes, von
äusserlichen nichts gewisser anzuzeigen, als
mein Studium theologicum, welches ich
so gar nur ins Wissen und in die bloße Ver-
nunfft gefasset, daß ich vermeynete ich kön-
te die Leute unmüglich damit betriengen,
noch mich in ein öffentl. Amt stecken lassen,
den Leuten vorzusagen, was ich selbst nicht
in meinem Hertz überzeuget wäre.// Ich lebte
noch mitten unter weltlicher Gesellschafft,
war mit Anlockungen zur Sünde um
und um begeben. Darzu kam die lange