Einfühlung

Wir besitzen zahlreiche Dokumente, die über das Leben August Hermann Franckes Aufschluß geben. An erster Stelle sind seine autobiographischen Aufzeichnungen zu nennen, insbesondere seinLebenslauf, in dem er seine Entwicklung bis zur Be­kehrung im Jahre 1687 schildert, und seineTagebücher (17141726), in denen er alle wichtigen Ereignisse, Besuche, Briefe, Vorlesungen u. a. notiert hat, allerdings zumeist unter Verzicht auf eine weitergehende religiöse oder theologische Betrach­tung. Das wichtigste biographische Material wurde erstmalig von G. Kramer heraus­gegeben: Beiträge zur Geschichte August Hermann Franckes, Halle 1861; Neue Beiträge zur Geschichte August Hermann Franckes, Halle 1875. Weitere Doku­mente finden wir bei A. Seilschopp, Neue Quellen zur Geschichte August Hermann Franckes, Halle 1913, und bei A. Nebe, Neue Quellen zu August Hermann Francke, Gütersloh 1927. DieTagebücher Franckes befinden sich als Manuskript im Archiv der Franckeschen Stiftungen (AFSt A 167ff.).

Ferner muß das Schrifttum zur Geschichte der Stiftungen herangezogen werden, mit deren Entstehen und Wachsen Franckes Leben auf das engste verbunden war. Neben den zu seinen Lebzeiten gedruckten Schriften zur Geschichte der Stiftungen (vgl. vorl. Ausg., S. 30) sind zwei wichtige Selbstdarstellungen des hallischen Pietis­mus zu erwähnen, die Annales Hailenses ecclesiastici (vgl. Aland, a.a.O., S.580ff.) und J. H. Callenbergs nur als Manuskript vorhandeneNeueste Kirchenhistorie von 1689 an (AFSt F 30).

Schließlich ist auf Franckes umfangreiche Korrespondenz hinzuweisen, in der sich sein Denken und Wirken in vielfältiger Weise widerspiegelt. Der größte Teil des handschriftlich erhaltenen Briefwechsels befindet sich geordnet und katalogisiert im Archiv der Franckeschen Stiftungen, weiteres Briefmaterial im sogenannten Ber­liner Francke-Nachlaß, z. Z. Universitätsbibliothek Tübingen. Von besonderer Be­deutung für die Biographie Franckes ist sein von G. Kramer und K. Weiske heraus­gegebener Briefwechsel mit Spener (vgl. vorl. Ausg., S. 56). Einzelne Briefe wurden ferner von K. Weiske und Th. Wotschke veröffentlicht. Weitere biographisch wich­tige Briefsammlungen, die zum Bestand anderer Archive gehören, haben B. Schmidt und O. Meusel, A. H. Franckes Briefe an den Grafen Heinrich XXIV j. L. Reuß zu Köstritz, Leipzig 1905, und Th. Geissendoerffer, Briefe an August Hermann Francke, The University of Illinois Press 1939, herausgegeben.

Für eine genauere Beschäftigung mit A. H. Francke und seiner Zeit verweisen wir auf die genannten Quellenpublikationen und die vorliegenden biographischen Dar­stellungen. Grundlegend, wenn auch in der theologiegeschichtlichen Gesamtbetrach­tung und in einzelnen historischen Fragen überholt, ist z. Z. noch die Monographie von G. Kramer, August Hermann Francke. Ein Lebensbild, Bd. I/II, Halle 1880 u. 1882. Vgl. ferner die für weitere Kreise bestimmte Darstellung von E. Beyreuther, August Hermann Francke. Zeuge des lebendigen Gottes, Berlin 1957, und Band 271 der Sammlung Dieterich, Das Zeitalter des Pietismus, hrsg. von M. Schmidt und W. Jannasch, Bremen 1965.