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I. Biographisches

schreibet, 131 hat mich allezeit hertzlich vergnüget, ingleichen giebt er auch im 2. B. für die Beichtväter einige Erinnerungen, welche guten theils wol wehrt sind beobach­tet zu werden ; 132 desgleichen ist es gut und nicht zu verwerffen, daß er ausdrücklich lehret, daß Christus der einige weg, und die einige pforte sey, dadurch wir zu Gott gelangen können, und in dessen Blut wir müssen gereiniget und abgewaschen seyn, wenn wir Gott gefallen wollen ; 133 desgleichen sind die reden welche hin und wieder darinnen von geistlichen anfechtungen geführet werden, in der Erfahrung gegründet, davon der natürliche und weltlich gesinnete Mensch nicht geschickt ist zu urtheilen, wer aber dergleichen selbst erfahren hat, wird bald finden, was mit seiner Erfahrung übereinstimmet, und was ihm darinnen dienlich seyn könne; 134 dergleichen Dinge ( 222 b ) würden sich noch mehr finden, welche ich nicht verwerffen kan, auch kein rechtgläubiger in Ewigkeit verwerffen wird, weil sie in der H. Sch. gegründet sind, und unsern libris Symbolicis keines Weges entgegen stehen. So aber iemand darinnen etwas wieder die H. Schrifft zu seyn recht erkennet, der wisse, daß ich mich dessen nicht begehre theilhafftig zu machen, werde aber auch nie Menschen zu gefallen dasjenige, was ich nicht verstehe, beurtheilen, oder was ich der Schrifft gemäß zu seyn erkenne, um des willen verwerffen oder geringer achten, weil es einer der nicht unser religion verwandt ist, gesaget hat. So wäre es auch sehr unchristlich gehandelt, wenn man einem der in einem Buche das was gut und recht ist, billiget, zugleich auch alles was irrig in demselben Buch ist, beymessen wolte. Sonst müste man einen für einen Heyden halten, der sagte, daß in Officiis Ciceronis 135 etwas gutes stehe; für einen Römisch-Catholischen der aus dem Estio, 136 Cornelio a Lapide 137 und andern dergleichen commentatoribus eine gute Erklärung eines biblischen Spruchs ent- lehnete; für einen reformirten, der sagte, daß ihm durch Dikens Selbst-Betrug 138 sein Sünden Elend entdef 223 a ) cket, durch Sontoms güldnes Kleinod 139 sein Ge­wissen gerühret, und daß er sonst durch andere dergleichen der reformirten Schrififten erbauet sey. So wird sich auch befinden, daß diejenigen welche mit ihren Beschuldi­gungen so fertig heraus sind, gemeiniglich keinen bessern Grund als ihren bösen argwöhn davon zu geben wissen, welches unzeitige richten ihnen der gerechte richter nicht gut sprechen wird. Mit einem wort: Ich habe des Molinosi Schrififten ohne intention mich deren theilhafftig zu machen gelesen und übersetzet, und habe sie nie weiter gebillichet, als sie der göttlichen warheit der H. Schrifft gemäß sind; habe sie

131 Vgl. M. Molinos, a.a.O., S.325ff. (III. Buch, Kap. X).

133 Vgl. a.a.O., S. 180ff. (II. Buch, Kap. Vllf.).

133 Vgl. a.a.O., S. 117ff. (I. Buch, Kap. XVI).

131 Vgl. a.a.O., S.40f., 50ff., 79ff. (I. Buch, Kap. I, IV, VIII).

135 Vgl. vorl. Ausg., S. 9.

136 Wilhelm Estius (15411613) lehrte in Löwen Philosophie und Theologie. Gemeint sind wahrscheinlich seine Kommentare zu den Paulinischen Briefen, Paris 1653.

137 Cornelius a Lapide (15671637), Jesuit, lehrte in Löwen die hebräische Sprache und wurde später nach Rom berufen. Von ihm erschienen 1648ff. in Amsterdam Kommentare zu allen Büchern der Bibel.

138 Daniel Dyke (um 1600), namhafter englischer Prediger. Sein BuchNosce te ipsum oder Selbst-Betrug wurde nach seinem Tod durch seinen Bruder Jeremias Dyke herausgegeben und ist später mehrfach in deutscher Sprache ediert worden (vgl. die Ausgabe Frankfurt a. M., 1691).

139 Emanuel Sonthom (um 1600), wahrscheinlich nicht Verfasser, sondern nur Übersetzer und Bearbeiter der SchriftGülden Kleinod der Kinder Gottes. Sie wurde mehrfach in deutscher Sprache ediert (Lüneburg und Straßburg 1632, Nürnberg 1657 u. ö.; vgl. Leube, a.a.O., S. 168ff).