3. Briefe
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könnet nunmehro ver(5 a )sichert seyn, daß seine Königl. Maj. in Dennemarck, Euer König u. Herr euch liebet, aestimiret, die Mission fortzusetzen, und nach allem Vermögen zu beschützen, so viel man von ihm erwarten mag, gantz aufrichtig intendiret; u. werdet ihr aus seinen Gnaden-Bezeugungen, welche nun auch im öffentl. Druck iedermann vor äugen liegen, * 6 davon gnug überzeuget seyn. Ich halte aber dafür, ihr habet große ursach, Gott zwar von Hertzens-Grunde zu preisen, daß er des Königes Hertz also zu euch u. dem gantzen Werck gelencket hat, aber darauf im geringsten nicht zu bauen, sondern desto mehr zu sorgen, daß euer Hertz in rechter lauterkeit sein Vertrauen unverrückt auf den lebendigen Gott setzen u. von ihm alle Hülfe ledigl. erwarten möge. Auch halte ich dafür, (5 b ) ie größer die Gnade des Königes gegen euch ist, ieweniger habet ihr gegen einigen Menschen blicken zu lassen, als ob ihr ein gefühl davon in eurem Hertzen hättet, u. ie submisser, bescheidener, gelinder ihr dem Commandanten u. allen, die euch zu wider sind, begegnen und alles nur bey ihnen precario u. nicht authoritatiue erhalten sollet, mit aller Gedult und Lang- müthigkeit. Durch diese Vorstellung gedencke ich aber gar nicht euren Glauben zu dämpfen, euere Freudigkeit nieder zu schlagen u. euch kleinmüthig zu machen. Ihr dürffet auch nicht auf die gedancken kommen, als wenn ich euch gering schätzte, und als wenn alle solche über euch ergehende judicia, die ich zu vor angeführet, einen solchen ingress in mein Gemüth hätten, daß ich um deßwillen selbst (6 a ) weniger Hoffnung hätte von eurem Werck in dem Herrn, u. um deßwillen hinführo euch nicht so eyfrig die Hand biethen würde. Das sey ferne. Bleibet ihr in eurem Glauben und Freudigkeit vor Gott u. in eurem Eyfer für seine Ehre, und in der brünstigen Begierde, den Heyden das Licht des Evangelii vorzutragen. Eben euer Glaube, Freudigkeit u. Eyfer ist euer Kleinod, durch deßen Glantz, wenn ja in eurer betragung einige Flecken u. Fehler befindlich sind, dieselben so zu gedecket werden, daß ein ieglicher, der Gott u. die Wahrheit liebet, sie gar leicht übersiehet. Nehmet vielmehr zu in eurem Glauben und Vertrauen auf Gott, und in eurem brünstigen Eyfer eurem (6 b ) Amte ein gnügen zu thun. Glaubet mehr, so werdet ihr auch mehr Herrlichkeit Gottes sehen; Gott wird euch von dem vergangenen nichts zurechnen um Christi willen, der euch geliebet, sich selbst für euch gegeben, euch selbst bekehret, und euch s. Euangelium an die Heyden anvertrauet, auch euch albereit seines Segens ge- würdiget und kräftig mit euch gewesen ist. Durch seine Gn. werde auch ich nicht müde werden euch Handreichung zu thun, und versichere ich euch, daß ich ietzo dazu noch vielmehr freudigkeit habe als ich in dem anfange gehabt. So seyd nun getrost in dem Herrn u. die Freude an ihm sey eure stärcke immer dar amen.
Ich verh.
Halle den 15 Oct.
1714 A. H. Francke
a k.
6 Vgl. Hallesche Berichte I, 7, 1714, Vorrede, S.22f., 29f., 36f.
6 Peschke, Francke-Werke