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I. Biographisches
mit mehrer Submission mit dem Commandanten u. andern umgegangen wäre, auch geglaubet, daß es in manchen Stücken so dann nicht würde so weit gekommen seyn. Wenn ich mir des sei. D. Speners, 3 H. D. Breithaupts 4 und anderer Theologorum, die in ihren Ämtern mit Politicis viel zu thun haben müssen, vorgestellet, und der Missionarien modum agendi, wie er sonderl. in den ersten Jahren gewesen, dagegen gehalten, so habe ich eine sehr große Ungleichheit darinn erkant, was die prudens, die Submission, die moderation, gelinde, demüthige und dabey doch zu völliger Überzeugung gerichtete remonstration, u. insonderheit precarium (3 a ) agendi modum anlanget, auch wo sie gantz unbilligen Widerstand gefunden, und es ihnen an der Königl. Gnade nicht gemangelt. Dieses schreibe ich so, die weil ich gedencke, wenn ihr euch diese und dergleichen männer zu einem Spiegel vorstellet, so werdet ihr selber leicht erkennen, daß das oben angeführte raisonnement, so mann in Europa, u. zwar insonderheit in Dennemarck, Engeland u. Teutschland ietzo über euch führet, solche Männer nicht würde betroffen haben, als welche allenthalben mit mehrerm respect, behutsamkeit, und lindigkeit würden verfahren seyn, auch etwa den Stein, den sie offenbarl. nicht wegwältzen können, unbewegt gelassen, und darunter in Glauben u. Gedult unter anhaltendem Gebeth und Seufftzen auf die Hülffe des lebenf3 4 Jdigen Gottes gewartet haben. Ich leugne auch dieses nicht, daß wenn ihr in euren Briefen bis auf diesen Tag so viel hoffnung auf die Königl. Hülffe habet blicken lassen, und allerley dahin abzielende Vorschläge gethan, daß ich zwar darinnen euch nicht beurtheilet habe, auch so viel an mir gewesen, contribuiret, daß ihr alle erwünschte satisfaction erlangen möchtet, weil ich wohl gesehn u. erkant, daß es euch wahrhafftig nicht um das eurige, sondern um das, was Jesu Christi ist, zu thun sey; indeßen aber doch immer gedacht, das würde mein Weg nicht seyn, sondern ich würde mich immer dergestalt auf das brachium diuinum verlassen, daß ich auf das brachium seculare entweder gantz keine reflection, oder doch nur in (4 a ) so weit machete, daß ichs so mitnähme, wenn mirs der allerhöchste auch zu gut kommen ließe. Hingegen mir es gantz nicht frembt ließe Vorkommen, wenn die Obrigkeit mir keinen Schutz leistete, als an welchem Gott nicht gebunden, der eben als dann seine Herrlichkeit am allermeisten zeigete wenn er sein Werck ohne weltlichen Arm auß- führete, als worinnen sichs auch sonderl. erweißet, daß Christi Reich nicht von dieser Welt ist, und daher unter dem Creutz, Leyde u. Verfolgung am allermeisten zu wachsen u. zuzunehmen pfleget. Daher mir denn auch der Ort Lutheri sehr wohl gefällt da er neml. Tom 6. Witteberg. Germa. im Buche an die Pfarrherrn wider den Wucher zu predigen fol. 320b (4 b ) also schreibet: „Sorge nicht wo du leiden finden wirst; es hat nicht noth. Sey du nur ein frommer Christ, Prediger, Pfarrherr, Bürger, Bauer, Adel, Herr u. richte dein Amt treulich u. fleißig aus, laß den Teufel sorgen, wo er ein Höltzlein findet, daraus er dir ein Creutz mache, u. die Welt, wo sie ein reißlein finde, daraus sie eine Geißel mache über dein Haupt, wenn dich gleich die Obrigkeit im Schooß sitzet. Denn so klug und mächtig wird keine Obrigkeit seyn, die dich könne für dem Teufel u. bösen leuten, und vor allem Übel schützen u. behüten, wenn sie gleich gantz fromm u. fleißig ist. Allein sey du ein rechter Christ, der einfältiges Hertzens um Gottes willen leide und nicht dir selber ursach gebest zu leiden.“ 5 Ihr
3 Zu Spener vgl. vorl. Ausg., S. 18.
1 Joachim Justus Breithaupt (1658—1732), 1681 Dozent, dann Professor der Beredsamkeit in Kiel, 1685 Hofprediger in Meiningen, 1687 Professor der Theologie und Senior der Geistlichkeit in Erfurt, 1691 Professor der Theologie in Halle, seit 1705 gleichzeitig Generalsuperintendent zu Magdeburg und seit 1709 Abt des Klosters Bergen.
5 Vgl. An die Pfarrherrn wider den Wucher zu predigen, Vermahnung von 1540 (WA 51,412,
6 ff.).