Einführung

Francke hat sich in besonderer Weise um eine Reform des theologischen Studiums bemüht. Bereits in Leipzig hatte er 1689 ein Kolleg De impedimentis et adjumentis studii theologici gehalten (vgl. Lebensnachrichten, a.a.O., S.64). In Halle führte er einige Jahre später das Collegium paraeneticum ein, in dem die Studenten zur rech­ten Führung ihres Studiums und zur wahren Frömmigkeit ermahnt werden sollten. 1693 zunächst privat begonnen, wurde es 1694 zu einer offiziellen Einrichtung der Theologischen Fakultät und jeden Donnerstag von zehn bis elf Uhr gelesen. Während dieser Zeit fanden keine anderen Kollegs statt, damit allen Studenten der Besuch möglich war.

Die paränetischen Vorlesungen bilden die Grundlage fast aller Schriften Franckes zum theologischen Studium, sowohl der hier in Auswahl gebotenen praktisch-erbau­lichen Werke als auch der wissenschaftlichen Darstellung Methodus studii Theologici, Halle 1723. Gegen Ende seines Lebens hat Francke begonnen, aus den Vorlesungs­nachschriften des Collegium paraeneticum eine Auswahl zu veröffentlichen. Sein Sohn hat diese Arbeit fortgesetzt, so daß schließlich sieben Bände der Lectiones paraeneticae im Druck erschienen. Im Archiv derFranckeschen Stiftungen befinden sich weitere zwölf Bände handschriftlicher Vorlesungsnachschriften, die z. Z. ge­sichtet werden (AFSt N 213). Zu Franckes Gedanken über die Studienreform vgl. Hirsch, a.a.O., II, S. 155ff.; E. Peschke, August Hermann Franckes Reform des theologischen Studiums, in: August Hermann Francke, Hallesche Universitätsreden 1964, S.88115; ders., Studien II, S. 127fF.