1. Timotheus, 1695

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mirs / warum wird einer zu einem Exempel und Fürbild gegeben / wenn man ihm nicht nachfolgen will? Denn es hilfft nicht / daß einer mit gutem Exempel vorgehet / so der andere ihm darinne nicht nachfolget. Nun folget man am liebsten seines gleichen. So folget nun dem jungen Timotheo / und stellet euch gantz denselbigen vor / daß ihr auch rechte Timothei werdet. Ja auch dieses soll euch desto mehr auf­muntern / daß Timotheus in solcher seiner Jugend ein so grosser und bewährter Lehrer war. So sehet ihr nun / daß es nicht an den Alter liege. GOtt will euch gerne viel Gnade erzeigen / so ihr nur recht aufwachen / und seine Gnade nicht vergeblich empfangen woltet. Aber Timotheus (66) suchte nicht das Seinige. Darum suchete ihn GOtt / und machte ihn zu einem Pfeiler in seinem Hause. Ihr aber suchet fast alle das Eurige / und studiret darum mehrentheils Theologiam, daß ihr durch einen Pfarr- Dienst wollet dermahleinst euren Bauch versorget wissen. So lange ihr in diesem Stücke nicht dem Timotheo nachartet / daß man mit Warheit von euch sagen könne / ihr suchet nicht das Eurige / sondern das was JEsu Christi ist / 2S so lange werdet ihr in keinem Stücke dem Timotheo gleich werden. Ich frage euch aber noch eins / euch / sag ich / die ihr so gerne wollet Pfarrherren und Superintendenten werden / be- dencket ihr wol / daß Paulus seinem Timotheo befohlen hat / daß er keinen weder zum Bischoff noch zum Diacono (67) ordnen solle / biß man ihn zuvor versuchet habe / und alsdann / wenn man ihn unsträfflich befunden / so solle man ihn erwehlen. 26 Wenn nun Timotheus auf unsern Universitäten herum reisen solte / solte er wohl viele unter euch Theologiae Studiosis finden / welche er nach dem Befehl Pauli zu solchem heili­gen Amte tüchtig erkennete / da Paulus auch nicht einmahl einen Neuling / 27 d. i. einen erst neulich / aber doch warhafftig bekehrten Christen zu solchem Amte will gezogen wissen. Gewiß / ich sorge / er würde von mancher Universität leer abziehen müssen / und sich nicht getrauen einem einigen nur eine Seele anzuvertrauen / weil ihr selbst so gar wenige Sorge für eure eigene Seele spüren lasset. Ist mancher (wiewohl doch auch deren wenige sind) gleich (68) für seine Person in einigem Anfänge eines wahren Christenthums / so ist er doch nicht geschickt / andern als ein Lehrer und Führer auf dem Wege der Seligkeit / der so vieler Versuchung unterworffen / und so viel Erfahrung erfordert / fürzustehen. Möchte man in denen Consistoriis und sonsten das regiement, welches Paulus dem Timotheo und Tito wegen der Wahl eines Bischoffs und Ehesten gegeben / 28 etwas genauer observiren / es würde mancher nicht zum Lehr-Amt gelangen / und mancher Miedling einem getreuen Hirten die Stelle räumen müssen.

Ich wolte auch / daß ihr zum andern darinnen den Timotheum zu einem Fürbilde nehmet / daß er dem Paulo / als ein Heber Sohn seinem Vater nachgefolget / 29 und an dem (69) Evangelio gedienet. Denn in diesem Stücke hat er auch etwas gleiches mit euch / die ihr Studiosi Theologiae heisset / in dem daß ihr auch noch unter der Auf­sicht und Anführung eurer Praeceptorum lebet. Zwar wolte ich euch allen auch eben dieselbige Glückseligkeit wünschen / welche GOtt dem Timotheo wiederfahren las­sen / daß er ihm einen solchen Lehrer und Anführer gab / der selbst in den Fußstapffen JEsu Christi einher gieng / und mit recht väterlicher Treue ihn auferzoge in dem Worte der Warheit. Es können zwar nicht lauter Pauli seyn / so viel die besondern Amts-Gaben betrifft / doch solten billig alle die jenigen / welche eure Praeceptores

25 Vgl. Phil. 2,21.

26 Vgl. 1. Tim. 3,10.

27 Vgl. 1. Tim. 3,6.

28 Vgl. 1. Tim. 3,1 ff.; Tit. 1,5 ff.

29 Vgl. Phil. 2,22.

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