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IV. Schriften zum Studium der Theologie

ihren Schrifften gelehrt zu machen; ich suche aber hiemit nicht euch gelehrt / sondern fromm zu machen / (und also einen Grund zu legen / darauf eine wahre Gottes- Gelahrtheit könte erbauet (60) werden) doch nicht ich / sondern die Gnade Gottes / so in mir ist / und durch die Krafft / welche er dem einfältigen Zeugniß der Warheit beywohnen lässet. Prüfet ihr es auch einfältiglich. So ihr es alsdann dem Worte Gottes gemäß befindet / so sehet nicht darauf / wer es redet / oder wie es geredet werde / sondern darauf sehet / daß euch GOTT durch mich ermahnet / und ihr nicht mir / sondern GOtt dafür Rechenschafft geben müsset / so ihr dem Worte nicht ge­horchet / dem ihr doch nicht mit Grunde wiedersprechen könnet. Ihr möchtet zwar sagen: Timotheus sey schon ein Lehrer gewesen / der nicht allein selbst das Ampt eines Evangelischen Predigers geführet / sondern auch andere Bischöffe in der Christlichen Kirchen ordnen muste; ihr aber (61) wäret noch Theologiae Studiosi, (O Si essetis!) 24 und könne euch also Timotheus nicht zu einem Exempel und Für­bilde fürgestellet werden. Ist denn nicht Christus mehr denn Timotheus/und dennoch ist es nicht allein billig / sondern wir sind auch schuldig denselbigen uns zu einem Exempel und Fürbilde fürzustellen? Je besser der Meister ist / ie bequemer kan ihn der Lehrling zu einem Exempel nehmen. Je schöner eine Schrifft ist / ie besser dienet sie zur Fürschrifft. Und zwar pfleget ja Fleisch und Blut gegen die Nachfolge Christi auch viel einzuwenden. Darum kommet der H. Geist unserer Schwachheit auf allerley Weise zu Hülffe / damit wir keine Entschuldigung haben / und stellet uns auch sterbliche Menschen zum Exempel für / welchen ja so wohl die (62) Erb-Sünde angeklebet als uns / auf daß wir also schliessen möchten: hat GOtt diesem die Gnade verliehen / Christo in seinem Fußstapffen so eiffrig nachzufolgen / warum solte er mir dieselbige versagen / da ja Christus so wohl für mich gestorben als für jenen? Also machts Jacobus / Cap. V. v. 17. da er zum Gebeth ermahnen wolte / sprach er: Elias war ein Mensch / gleich wie wir / und er betet ein Gebeth / daß es nicht regnen solte / und es regnete nicht auf Erden drey Jahr und sechs Monden. Er war öfiotOTia'&rjS, stehet im Griechischen / d. i. er hatte eben so wohl menschliche affecten als wir / oder gleich solche Leydenschafften / damit er andeutet / man solte nicht sagen: dieser oder jener heif 63) lige Mann hat wohl so seyn oder also leben können / aber das können wir nicht thun; sondern die H. Schrifft habe uns solche Leute zum Exempel und Fürbilde fürgestellet / daß wir an ihnen sehen und lernen sollen / was GOtt auch an uns wolle für Gnade und Barmhertzigkeit thun / so wir ein gut Vertrauen zu ihm haben / und seiner kräfftigen Wirckung Raum und Platz geben in unsern Seelen. So mag ich nun auch wohl sagen: Timotheus war ein Mensch gleich wie wir / und be­wiese sich doch von Jugend auf so heilig und unsträfflich in alle seinem Wandel. Warum solte uns GOTT nicht eben dieselbige Gnade erzeigen? Ist nicht CHRISTUS für uns so wohl gestorben als für den Timotheum? und hat er uns nicht eben den­selbigen Geist der (64) Heiligung erworben / den er dem Timotheo geschencket hat? Darum aber stelle ich euch fürnehmlich den Timotheum vor zu einem Exempel und Fürbilde / daß ihr erstlich möchtet erwegen seine Jugend / welche er mit unbeflecktem Leibe / und reinem Gewissen GOTT geopffert hat. Niemand muste seine Jugend verachten / aber nicht also / wie ihr euch nicht wollet verachten lassen / und gerne Schelt-Wort mit Schelt-Wort vergeltet / und nicht wollet fromm werden / darum / daß man sich darüber von der Welt muß verachten und verspotten lassen; sondern also war seine Jugend geehret / daß er allen als ein Fürbild des Glaubens und aller Christlichen Tugenden fürleuchtete. Und also leuchtet er euch auch noch heute zu Tage für / daß ihr in eurer (65) Jugend in seine Fußstapffen treten sollet. Denn saget

24O wenn ihr es doch wäret.