1. Timotheus, 1695

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so gehören sie zu der ersten Claße) so möget ihr sie wohl hören / wenn ihrs besser nicht haben könnet. Aber ihr habet desto mehr vonnöthen / den lieben GOTT um wahre Erleuchtung anzuruffen. Denn es gehet nicht so gar ohne Gefahr ab auch bey solchen / und läufft viel Holtz / Stroh und Stoppeln mit unter. Endlich sind auch solche / die in Lehr und Leben Christo nachfolgen / und euch nicht allein suchen gelehrt / sondern auch fromm zu machen / und euch in ihrem gantzen Wandel zu einem Muster und Exempel dienen. Wenn ihr selbst nicht erleuchtete Augen habet / die Lehrer also zu prüfen nach diesem dreyfachen Unterscheide / so sollet ihr GOtt darum bitten / der wird euch schon so viel Weißheit geben / wenn es euch anders ein rechter Ernst (76) ist / daß ihr gerne solche Lehrer haben wollet / zu denen ihr euch als die Kinder zu ihren Vätern halten / und ihnen in eurem gantzen Leben nachfolgen könnet. Denn da habet ihr alleine den rechten Segen in eurem Studio Theologico zu gewarten / wenn ihr solche höret / die mit Worten und Wercken lehren / und selbst GOttes Freunde sind. Da allein gehts recht zu / wo Paulus und Timotheus / d. i. Lehrer und Zuhörer eines Sinnes sind / und beyde nicht das Ihrige suchen / sondern das was JESU Christi ist. Und zwar wenn ihr in dem / worinnen euch Timotheus zum Fürbilde fürgestellet worden / nachfolgen werdet / so werdet ihr auch leichtlich von GOtt die Gnade erlangen / die rechten Lehrer und Anführer zu erwehlen / zu denen ihr euch sicher hal(77)ten möget. Denn zu solcher Prüffung gehöret mehr nicht / als daß ihr es selbst rechtschaffen meynet / euren Zweck nicht auf das Zeit­liche und Irdische / sondern auf das Ewige und Himmlische setzet / nicht das blosse Wissen der göttlichen Lehre / sondern die Krafft der wahren Gottseligkeit suchet / Gottes Wort von Hertzen liebet / und darinnen täglich zu eurer Erbauung forschet / und euer Leben darnach zu bessern täglich trachtet. So ihr aber so thöricht seyd / und euch durch die Lästerungen der Welt abschrecken lasset / und nicht selbst die Warheit begehret zu prüfen / noch GOtt darum zu bitten / daß er euch den Geist der Prüfung verleyhe / so gebet ihr zu erkennen / daß ihr Christi nicht werth seyd. Doch mercket / daß folgende Stücke euch nie werden (78) zur lauteren Erkänntnüß der Warheit kommen lassen. (1.) Wenn ihr meynet / ihr müsset alles ohne Untersuchung glauben / was euch eure Lehrer vorsagen / und euch mit ihrer Autorität behelffet / wenn ihr auch gleich dessen / was sie sagen / nicht durch gnugsame Gründe über­führet seyd. (2.) Wenn ihr dieses principium habet; was gantze Concilia, oder wie es heut zu Tage klinget / gantze Collegia, gantze Facultäten / gantze Ministeria ver- werffen / verketzern / und ausstossen / das müsse nothwendig böse und verwerflich seyn / und was sie gut heissen / das müsse nothwendig gut seyn. (3.) Wenn ihr glau­bet / wovon die meisten Menschen Übels reden / es verachten / verlachen / und ver­spotten / das müsse ohnfehlbarlich eine böse (79) oder doch närrische und lächerliche Sache seyn / und dürfe man kein Bedencken haben / sein Wort auch mit darzu zu geben / und nebst andern sein Hohn-Gelächter darüber zu treiben. (4.) Wenn ihr gerne glaubet / was insgemein erzehlet und ausgegeben wird / daß dieser oder jener solle geredet / gethan oder geschrieben haben / und euch daran belustiget / und es andern gerne wieder erzehlet / euch mit ihnen darüber zu kützeln. Wer leicht glaubet / sonderlich dem gemeinen Gewäsche / der wird auch leichtlich betrogen. (5.) Wenn ihr nicht alles was ihr leset und höret genau nach dem Worte GOttes prüfet und untersuchet / ob sichs auch also verhalte oder nicht / so es nemlich eine Lehre be­trifft. Ja wenn ihr (6.) gar das Wort GOttes geringe ach(80)tet / und nicht ohne Verdruß darinnen leset / sondern viel lieber in menschlichen Schrifften als in dem theuren Worte GOttes studiret; Oder (7.) wenn euch gleich das klare und helle Wort GOttes in die Augen leuchtet / und die rechte lautere Warheit anzeiget / dennoch nicht so viel Vertrauen zu GOtt habet / daß er euch den rechten Verstand seines