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IV. Schriften zum Studium der Theologie
Worts geben werde / sondern nur sehet / wie es Menschen ausgeleget habet / und dann solche Auslegungen ohne Untersuchung annehmet / und also eure Augen für Brillen verkauffet. Wann ihr (8.) einseitige Schrifften leset / und was von dem andern Theil geschrieben worden / nicht begehret anzusehen / noch mit Fleiß zu erwegen; sonderlich wenn ihr (9.) eure Lust an Streit-fSlJ Schrifften habet / die stachlicht und bitter und mit vielen Schmähungen angefüllet sind / die andern aber / welche ihre Sache ohne Galle nur allein aus guten Gründen auszuführen suchen / nicht lesen möget. (10.) Wenn ihr so verwegen seyd von Unbekandten / die ihr weder gesehen noch gehöret / noch ihre Schrifften gelesen habet / zu urtheilen. (11.) Wenn ihr GOtt nicht ernstlich um die Erleuchtung seines Heil. Geistes anruffet / und doch von göttlichen Dingen reden und urtheilen wollet. (12.) Wenn ihr nicht nach dem Rath Christi den Baum aus seinen eigenen Früchten recht erkennen lernet / sondern wollet Trauben lesen von den Dornen / und Feigen von den Hecken. 32 So lange euer Gemüth mit diesen Wolcken ver&n( 82) stert ist / ist keine Hoffnung daß ihr durchschauen werdet / die Sonne der Warheit in ihrer Schöne zu erblicken. GOTT aber gebe euch allen / daß ihr erkennen möget / was zu eurem ewigen Frieden dienet! Amen.
Gebet.
ACh getreuer und barmhertziger Heyland / JESU Christel als du ehemahls in den Tagen deines Fleisches das Volck ansahest / welches zerstreuet war wie die Schaffe / die keinen Hirten haben / da jammerte dich solches von Hertzen / und gebotest gleich deinen Jüngern / daß sie den HErrn der Erndte bitten sollen / er wolle Arbeiter senden in seine (83) Erndte. Ach wie stehet denn dein Hertz dar gegen j wann du anietzo bey dem so gar verderbten Zustande des Volckes / das sich deine Christenheit nennet / ansiehest den Hauffen so vieler junger Leute / welche auf denen Universitäten leben oder gelebet haben / welche in ihren Sinn genommen / deine Nachfolger zu seyn in dem Amte / das du ge- führet hast auf Erden / oder sich deiner Gemeinde als Hirten und Bischöffe fürstellen zu lassen / und du siehest / wie es ein Hauffe sey eines frechen jungen Volckes / welches sich selbst nicht einmahl in den Schrancken der natürlichen ßjybarkeit hält / zu geschweigen / daß es das Joch deiner Nachfolge solte übernommen haben / und welches noch mehr ist / daß es solte (84) geschickt seyn / das Amt des Geistes zur Errettung anderer Seelen zu führen? Ach laß dichs jammern / daß du eine Hülffe schaffest / und ihnen zu erkennen gebest ihren höchst-elenden Zustand / und die zwiefache Verdammnüß / welche sie ihnen selbst häuffen j indem / daß sie selbst keine rechte Christen sind / und noch darzu sich des Amtes unterfangen / welches auch deine allertreuesten Knechte mit Furcht und Zittern führen. Schaffe / daß des Raubens und Mordens ein Ende werde / da iedermann das Seinige suchet / und nicht was dein ist • das Fette von der Heerde fressen will / und nicht die Schafe treulich weiden. Siehe drein J 0 HErr / und erbarme dich so vieler jungen Hertzen / die ja noch (85) mehrentheils in der Unwissenheit und Verführung stehen / und gehen in der Irre wie die Schaafe. Oeffne ihnen ihre Augen / daß sie dich den Weg / die Warheit und das Leben / durch den Heil. Geist recht erkennen lernen / und also ihre Seelen erst selbst von dem Feuer deines Zorns erretten / ehe sie sich unterstehen / andere zu lehren. Du hast uns ja noch einen wenigen Segen übrig gelassen / einen Blick der Gnaden j zwischen den finstern Wolcken deiner Gerichte j damit du uns zeigetest / 0 du getreuer Ertz-Hirte / daß du unser nicht vergessen habest / sondern habest Lust uns zu helffen / so wir uns nur selbst wollen helffen lassen. Weil du nun angefangen hast j dein jammerndes Hertz gegen uns aufzu(86)schliessen / so fahre fort / und laß dein Wort
32 Vgl. Matth.7,16f.