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V. Schriften zur Hermeneutik

zu schwach oder zu boßhaftig sind / die Warheit von der Lügen / und Licht vom Finsterniß genau zu unterscheiden. Die jenigen / welche das Wort der Busse / so ich ihnen verkündige / bishero nicht annehmen wollen / haben sich in ihrer Boßheit und Widersetzlichkeit durch solches mündliche und schrifftliche Schelten auff diese meine Arbeit / nicht wenig bestärcket / solche Schrifften einander zugeschicket / die- selbige gelesen / sich darüber erfreuet und darüber gefrolocket / als ob man nun sehe / daß ich ein Ketzer und Verführer sey / und das alles zu dem Ende / daß sie daher gleichsam uhrlaub nehmen / auch dem Worte / so ich ihnen geprediget / kein Gehör zu geben / dieweil (421) sie dessen in ihren Gewissen überzeuget sind / daß ich ihr Wesen und Thun aus Gottes Wort straffe. Dessen könten sich nun irgends auch die Widersprecher freuen / daß ihre Worte bey so vielen Platz gefunden; Aber du siehest es / mein Vater! und ist alles für dir auff dein Buch geschrieben / damit du Rechen­schafft forderst von einem jeglichen / der das Werck deiner Knechte zu verhindern suchet. So habe ich auch in dem allen / 0 du Vater der Barmhertzigkeit / und Gott alles Trostes! grosse Freudigkeit für deinem Angesichte / weiß und bin gewiß in dir meinem GOtt / daß es dem Satan und seinen Werckzeugen nicht gelingen werde / und wenn sich gleich die Pforten der Höllen eröffneten / und ihr gantzes Heer auff mich zustürmete / solche doch alle (422) nicht so viel vermöchten / mir eine einige Seele zu entziehen / welche du nach deiner unendlichen Liebe von Ewigkeit her hast wollen durch meinen Dienst erbauet / gestärcket und errettet wissen. Ja ich bin gewiß und gläube in dem HERRN JESU / daß mir der Teuffel und die Welt auch wider ihren Willen und Danck noch dazu dienen müssen / daß die Ehre deines heiligen Nahmens und vieler Menschen Erbauung und Besserung und die Offenbahrung dei­ner Warheit gefördert; Aber ihre eigene Schande und Blöße durch sie selbst ver- rathen und entdecket werde. Wenn Menschen wider dich wüten / so legst du Ehre ein / und wenn sie noch mehr wüten / bist du auch noch gerüst. 2 Ihre eigene Zunge wird sie fällen / (423) daß ihr spotten wird / wer sie siehet / und alle Menschen / die es sehen / werden sagen: das hat Gott gethan / und mercken / daß sein Werck sey. 3 Darumb dancke ich dir auch dafür von Hertzen / und preise deinen Heiligen Nahmen / daß du solches über mich verhänget hast / denn deine Wege sind eitel Güte und Warheit / denen / die deinen Bund und Zeugniß halten , 4 5 Wer in allen Dingen auf dein Werck siehet / der hat eitel Lust daran. 3 Und nun bitte ich dich / Vater! du wollest diese gantze Sache in deine Hand nehmen / und sie ferner also gehen lassen / wie du es weist und erkennest / daß sie zur Ehre deines Heiligen Nahmens am allerbesten gereiche. Wie ich mich von Menschlichen Fehlern / Gebrechen und Unvollkommenheiten (424) nicht aus­nehme / also wollest du mir dieselbigen auch je mehr und mehr zu erkennen geben / und mich bewahren durch den Geist der Warheit / daß ich solche zu vertheydigen oder zu beschönen niemahls in meinem Sinn nehme. Denn was lieget mir daran / ob die Menschen meine Unvollkommenheit oder Fehler erkennen oder nicht / nach dem ich durch deinen Geist gelehret bin / mich keines Dinges zu rühmen nach dem Fleisch / sondern allein deine Gnade zu preisen? Dein Werck soll und muß bestehen /was von mir ist / muß unter gehen. Hingegen wirst du nach deiner unaussprechlichen Treue stärcken die Kr äffte meiner Seelen / das Recht und die Warheit in aller Lauterkeit zu erkennen / und gegen allen falschen Schein des Widerspruchs zu vertheidigen! (425) Erhalte mein Gemüth in einer hertzlichen und mitleidenden Liebe gegen alle

2 Ps.76,11.

3 Ps.64,9f.

1 Ps. 25,10.

5 Ps. 111,2.