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VI. Predigten

Wesen / das in JEsu ist / in deiner Seelen haben? prüffe es selbst? wirst du dich nicht vielmehr allezeit mit einem bösen Gewißen schleppen? wird dich nicht bey dem allen ein heimlicher Wurm in deiner Seele nagen? werden nicht eitele Dinge den Saamen des göttlichen Worts in dir ersticken / daß du nicht glauben und seelig werden kannst? 43 (107) ja wird nicht GOttes Wort allenthalben dich unter Augen schelten / du seyst ein Heuchler / der GOtt und der Welt / CHristo und dem Teuffel zugleich dienen und gefallen wolle? Im Gegentheil aber / wenn du auff die enge Pforte / auff den schmalen Weeg gewiesen wirst / daß du nehmlich / wenn Trübsahl kommet / das Creutz JEsu CHristi / und dessen Schmach auff dich nehmen sollest; Wenn du hö­rest / daß du sollst die Liebe der Welt / als Augen-Lust Fleisches-Lust und hoffärtiges Leben verleugnen; du wirst dahin gewiesen / du sollst deinen Heyland in seinen Fußtapffen fein nachfolgen / und durch die Krafft unsers HErrn JEsu CHristi dich stärcken lassen zu wandeln auff den Weegen GOttes / und deßwegen an deinen eigenen Vermögen und an deiner eigenen Krafft verzagen / hingegen die Krafft von Christo Jesu / die zum Leben und göttlichen Wandel dienet / 44 er(108) bitten / siehe / wenn diese Lehre bey dir kräfftig wird / und du das thust / was dir gesagt wird / wird da dein Haus nicht auf einen Felsen gebauet? Wird da deine Seele nicht in einen seeligen Zustand gesetzet? Wird dir dadurch nicht besser gerathen / als wenn du solche Mittel-Dinge / wie es die Welt nennet / mit machest? Im Gegentheil kannst du nicht / wenn du sie thust / dadurch in Hurerey / in Trunckenheit / in Dieberey und in alle Sünden und Laster hineingerathen? Wer räthet dir denn nun am besten? derjenige / der da will / daß du dich auch für der Gelegenheit zusündigen hüten / und dem Teuffel keinen Fingerbreit einräumen / noch deinem Fleische Raum lassen sollst? oder derjenige / der dich bereden will / daß du dieß und das in der Welt noch könnest mit machen; mann könne und müße es eben nicht so genau neh­men; so was besonders haben wollen / sey eine Pharisäische (109) Scheinheiligkeit? Wer räth dir / sage ich / da am besten? darumb sollst du dieses wohl bedencken; auff daß du dich recht hüten mögest für den falschen Propheten.

Umb deßwillen sollst du ihnen auch ja nicht heucheln. Denn CHristus saget: Sehet euch für / für den falschen Propheten. Er saget nicht; gebet ihnen noch gute Worte / damit ihr doch gleichwol bey ihnen in Gunst bleibet / und sie also bey guten mögen erhalten werden: er saget nicht; sehet / daß ihr ihnen noch zuweilen den Dienst thut / daß ihr ihre Predigten besuchet / ihre Lästerungen noch fein mit vor­lieb nehmet / und daßelbe also erduldet / damit die lieben Leute nicht bös auff euch werden; Nein so saget Er nicht: sondern / sehet euch für / für den falschen Propheten. Denn es ist wol manchmal geschehen / daß / wenn man also auff beyden Achseln getragen hat / und es mit keinem ver (110) derben wollen / man dadurch umb alles Gute und umb alle Kräffte des Christenthums gekommen: Ja es ist mancher dadurch in ein größer Verderben gerathen. Daher man das mit gutem Gewissen / gläubigen Seelen / sonderlich Anfängern keines weges rathen kann / daß sie sich in solche Seelen-Gefahr wagen / sondern vielmehr dem Rath unsers Heylandes folgen sollen / der da nicht allein an diesem Ort saget; Sehet euch für: sondern auch sonst / Laßet sie fahren / sie sind blind / und der blinden Leiter. 45 Siehe / du lieber Mensch / es ist auch ein Schaaffs-Peltz / damit du dich behängest / der heißet die Christliche Klug­heit / wenn du nehmlich sprichst: Ey! man muß sich einer Christlichen-Klugheit gebrauchen / daß man niemand vor dem Kopff stoße / und nicht mehr niederreiße

43 Vgl. Luk.8,12ff*

44 Vgl. 2. Petr. 1,3*.

45 Vgl. Matth. 15,14*.