5. Bekenntnis eines Christen [1697]
Wann Francke dieses Bekenntnis entworfen und zum erstenmal in Druck gegeben hat, läßt sich nicht mehr sicher feststellen. Nach dem Katalog der Franckeschiiften von 1698 ist es bereits als Anhang in der französischen Übersetzung der „Anleitung“ von 1697 enthalten. Es findet sich ebenfalls in der deutsch-französischen Ausgabe von 1699 und ist in dieser Form in den Sammelband „Öffentliches Zeugnis“ aufgenommen worden (WWD III, 13—17). In der erweiterten Ausgabe von 1706 und in der Traktatsammiung „Christliches Leben“ fehlt es. Doch erschien es mehrfach selbständig unter dem Titel „Der heilige und sichere Glaubens-Weg eines Evangelischen Christen“ (Halle 1708, Neudruck 1710 u. ö.). Eine lateinische Übersetzung findet sich im Anhang der von J. Grischow herausgegebenen lateinischen Übersetzung der Schrift „Betrachtung von Gnade und Wahrheit“ (Meditatio de Gratia et veritate, Halle 1733, S. 121—126). Wir geben den Text nach der ersten für uns nachweisbaren Ausgabe von 1699 wieder, in der die französische Übersetzung und der deutsche Text einander seitenweise gegenübergestellt werden. Die Zäsuren entsprechen der Unterteilung im Sammelband WWD.
(51) Bekäntniß eines Christen.
DAs ist das Bekäntniß des Glaubens darinnen ich lebe / des Weges darauf! ich wandele / der Wahrheit / die ich aus der Heil. Schrifft gelernet / und welche durch den H. Geist in meinem Hertzen versiegelt ist / der Schrancken in welchen ich lauffe / damit ich für allen falschem Wege bewahret werde / und das Kleinod des Lebens ergreiffe.
Ich erkenne mich für einen armen und elenden Wurm / der mit seinen Erb- und würeklichen Sünden Gottes Zorn und Ungnade / zeitlichen Tod und die ewige Yerdamniß verdienet hat. Der Sohn GOttes aber Christus JEsus hat sich selbst für mich gegeben / und mich durch sein Blut mit seinem Vater versöhnet / daß mir Gott meine Sünde nicht zurechnet / mir aber zur Gerechtigkeit (53) rechnet / daß ich gläube an den Nahmen seines eingebohrnen Sohnes.
Durch solchen Glauben bin ich warhafftig gerechtfertiget / und damit hat der H. Geist mein Hertz erfüllet. In solcher meiner Rechtfertigung habe ich Frieden gefunden mit Gott / bin ein Kind Gottes / tröste mich frölich seiner Gnade / und weiß gewiß daß ich den Tod nicht sehen noch schmecken werde / sondern daß ich das ewige Leben habe / und vom Tode zum Leben hindurch gedrungen bin.
Nachdem mich also Gott in seine Gnade aufgenommen durch den Glauben an sein Kind Jesum / bin ich nicht itzt gerechtfertiget u. dann wieder nicht / sondern ich bin allezeit und beständig in der Gnade Gottes / und trage das Zeugniß der Kindschafft Gottes in meinem Hertzen durch den H. Geist. Ich achte mich nicht ohne Fehler und Gebrechen zu seyn / sondern ich weiß die nicht alle zu zehlen / die mir GOtt täglich für Augen stellet / und gläube (55) gewiß daß der Verborgenen noch mehr seynd. Aber dieweil ich in Christo Jesu bin / und er in mir / so werden mir solche meine