6. Anweisung zu beten, 1695
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daß dieses Capitel mit einem Gebet beschlossen / und einige zur Anleitung dienliche Gebets-Formeln hinzugethan werden / welches GOtt mit dem was (488) bereits geschrieben worden / im Segen wolle seyn lassen.
(489) Schluß-Gebet
des IV. Capitels.
HEiliger und ewiger GOTT und Vater! durch deine Gnade und göttlichen Bey- stand habe ich nun zum Lob und Preiß deines heiligen Nahmens und zum Dienste meines Nechsten öffentlich dargeleget / was du mich erkennen lassen (490) von der Übung des Gebets. Zwar wie deine Güte sich ohne unterlaß ausgiesset / und dein Erbarmen nicht Maaß noch Ziel hat / also hastu mir noch vieles durch dein Wort ins Hertz geleget / welches deinen Kindern zur Stärckung und ferneren Erbauung könte mitgetheilet werden. Denn dein Saame ist so gesegnet / daß immer eine Frucht aus der (491) andern erwachset. Aber du wollest jetzo mein Gebet für dieses wenige erhören; daß es gesegnet und kräfftig sey bey denen / welche es lesen / wie gering auch solches Zeugniß für den Augen der Klugen dieser Welt scheinen möchte. Denn ich verachte deine Gnade nicht / noch die Wahrheit / welche aus deinem Geiste geflossen / wie wohl ich mich hoher (492) Worte und menschlicher Kunst keinesweges beflissen / damit deine Krafft von den Einfältigen geschmecket und erfahren werde / welchen du allein pflegest die verborgene Weißheit kund zu thun. Gefält dirs dann / mir so wohl deine Gnade und den Geist des Gebets ferner darzureichen / als auch ein kräfftiges Zeugniß von deiner Wahrheit deif 493)nen Kindern fürzulegen / so wollest du Zeit und Gelegenheit gnädiglich darzu ordnen und bestimmen. Doch wirstu auch nach deiner mannichfältigen Güte selbst wissen andere zu erwecken / welche aus dem langen und vertraulichen Umgänge mit dir / davon die Welt entfremdet ist / einen grösseren Überfluß und Reichthum deiner Güter und Ga(494)hen gesammlet / damit zu erqvicken und zu erfreuen die elenden / und gedemüthigten Hertzen / welche deiner begehren / und von Hertzen verlangen den besten Weg zu erkennen / darauff sie für dir wandeln sollen. Wie fremde ist doch der Welt die Lehre von dem stetigen Wachsthum in dem Christlichen und rechtschaffenen Wesen! Jederman will sich (495) damit behelffen / daß er das äusserliche Werck mit singen / beten / Predigt hören / beichten / Abendmahl-gehen / Jahr aus Jahr ein verrichte / ob man gleich weder vom bösen mebr ablässet / noch des guten sich ernstlicher befleißiget. So gib doch deinen Knechten Mund und Weißheit / daß sie solches Heuchel- und Maul- Christenthum nachdrückf496Jlieh für Augen stellen / und aus deinem Worte zeigen / daß du nicht ein ohnmächtiger und krafftloser GOTT seyst in deinen Kindern / sondern daß du sie stärckest und erhebest von einer Tugend / Krafft und Klahrheit zu der andern / ja daß du sie groß machest / wenn du sie demüthigest. Laß herfür brechen den Glantz deines hellen Evangelii / (497) und laß dadurch erleuchtet und erwärmet werden die Kinder des Friedens / auffdaß sie erkennen lernen die edle Friedens-Bahn / und darauff ihre Füsse setzen mit Freuden / daß sie stets zu neuer Krafft verändert werden / daß sie aufffahren mit Flügeln wie die Adler / daß sie lauffen und nicht matt werden / daß sie wandeln und nicht müde werden. (498) Hilff deinem Volck HErr Jesu CHrist / und segne was dein Erbtheil ist / wart und pfleg ihr zu aller Zeit / und heb sie hoch in Ewigkeit. 16 Laß dir auch gnädiglich gefallen / mein
16 Vgl. EKG 137.