Nr. 10 AM. Francke an PhJ. Spater 18. 12. 1690
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auffgenommen worden, bey welchem wir denn auch noch eine Nacht logiret. Es ist ein rechtschaffener mann, der auch bißhero das rechtschaffene wesen defendiret bey seinem Hertzog 29 , und gegen seine collegas 30 . Wir haben sehr viel gutes miteinander geredet. Dahin kahmen auch die Fr. Stockmanin, und so der Cammer registrator" und speiseten mit, stärcketen und erquicketen sich in Gott. Dieser letztere verlanget auch einen rechtschaffenen studiosum für seine kinder 32 , zu welchem der Herr Superintendent] seine 33 auch wil gehen lassen. Es scheinet daß an dem Orte viel gutes auffgehen werde.
Folgenden tages sind wir auff Pösenneck gereiset, da Herrn Schillings 55 Vater 34 wohnhafte, welcher uns jüngst in Erffurt besuchet, ein betagter Mann, der in seinem alter durch seine kinder 3 '' vom lieben Gott bekehret worden. Nunc vitam vivit Patriarchalem. Melius describere nequeo. Da sind wir mit großer Liebe auffgenommen, und haben uns samt andern frommen insonderheit dem Kastenvorsteher, Müntzern 36 , im Herrn gestärcket. Den einen 60 Prediger des Orts habe ich besuchet, der andere mich 37 , habe bißhero aber nichts an ihnen funden von lebendiger Erkentniß. Nach Pöseneck hatte uns gefolget der Cammer-Registrator von Saalfeld, und gab uns auch darnach
Erfurt, 1692 Studium in Halle; 1697 mit Gottfried Arnold in Gießen, ab 1699 Stadtprediger in Gießen, 1702 Burgprediger, 1731 Konsistorialassessor ebd. (DBA 1102, 307f; Matrikel Leipzig, 388; Matrikel Halle, 385; Francke, Streitschriften, 25-48; Leube, 236; Diehl, Hassia Sacra 2, 193. 269. 379. 405f. 549). - Schilling gehört zu den Unterzeichnern des Memorials an den Erfurter Rat vom 25.6.1691 (s. Brief Nr. 12, Anm. 19). Er stand später dem Herrnhutertum und Zinzendorf selbst nahe.
28 Paul Sternbeck (Sternebeck) (17.9.1642-18.11.1717), geb. in Mitau in Kurland; 1660 Studium in Mitau, Riga und Jena; 1663 Pfarrer in Schweina bei Schmalkalden, 1676 Dekan in Themar, 1683 Superintendent in Königsberg/Franken, 1687 Superintendent und Hofprediger in Saalfeld (DBA 1224, 346f; Auskunft LKA; Hehrmann, 277; Wotschke, Thüringen, 54f).
2<) Johann Ernst von Sachsen-Saalfeld (22.8.1658—17.12.1729), geb. in Gotha als Sohn Herzog Emsts des Frommen, seit 1680 Regierung des aufgrund der Aufteilung Sachsen-Gothas entstandenen Fürstentums Sachsen-Saalfeld, seit 1716 Senior des Ernestinischen Hauses (ADB 14, 372).
30 In der Stadt Saalfeld amtierten zu dieser Zeit als Archidiakon Anton Maser und als Diakon Samuel Heumarl (Auskunft LKA Eisenach).
31 Kammerregistrator Arnold aus Saalfeld (s. Anm. 23).
32 Nicht ermittelt.
33 Sternbeck hatte 6 Söhne und 4 Töchter (Auskunft LKA). Namentlich bekannt sind Johann David (s. Brief Nr. 82, Anm. 13), Johann Heinrich, Valentin Paul, Theodosius Christianus, Johann Daniel (?), Margarethajohanna, Maria Catharina und Sybilla Maria (DBA 1224, 347; Matrikel Halle, 434; Matrikel Jena 2, 784; Auskunft Kirchengemeinde Saalfeld; AFSt/H A 168: 57; A 178: 115).
34 Hans Nicolaus Schilling, Borstenwirker (nach freundlichem Hinweis auf Aktenbestände der FB Gotha von Frau Dr. Gertraud Zaepernick, Berlin); „der alte Schilling" wird von Sagittarius ebenfalls in der o.g. Liste mit Namen von Saalfelder Pietisten (s. Anm. 19) erwähnt.
35 Johann Andreas Schilling (s. Anm. 27). Weitere Kinder wurden nicht ermittelt.
36 Nicht ermittelt.
37 In Pößneck amtierte zu dieser Zeit als Diakon Friedrich Biedermann (16.12.1634- 25.9.1700), geb. in Thonhausen bei Zwickau; 1658 Pfarrer in Crölpa, 1670 Diakon in Pößneck, 1699 Pfarrer und Adjunkt in Pößneck (Auskunft LKA). Pfarrer und Adjunkt war Wolfgang Friedrich de Roda (2.8.1630-4.2.1699), geb. in Pößneck; 1650 Studium in Wittenberg, 1653 in Jena; 1654 Diakon, 1670 Pfarrer und Adjunkt in Pößneck (Auskunft LKA).