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Nr. 12 A.H. Francke an Ph.J. Später 7. 8. 1691

in Lübeck, Herr Falckner 22 ist auch nach Lübeck, Herr Pfeiffer 23 ist nach hause gereiset, Herr Westphal 24 reiset heute, dem ich auch gegenwärtiges auff Leipzig mitgebe, Herr Elers 25 hat noch viel Segen von Gott in Arnstadt, ist jetzo mit der Fr. Linckin 26 nach Stollberg zur Gräffin 27 gereiset, bey welcher eine gar herrliche Veränderung in melius mag fürgegangen seyn, wie sie mir

Ehemann der Adelheid Sybille Schwarz (s. Brief Nr. 55, Anm. 16); möglicherweise identisch mit dem 1705/07 erwähnten außerordentlichen Adjunkten an der Berliner Akademie der Künste (DBA NF 1202, 89; E. Fritze, Adelheit Sibylla und der Maler Johann Heinrich Schwanz in Lübeck. Eine Studie zur Personengeschichte in Zusammenhang mit den Erscheinungen evangeli­scher Frömmigkeit zur Zeit August Hermann Franckes und Philipp Jakob Speners, in: ZVLübG 71, 1991, 81-123; Matthias, 256. 272-276). Semler wurde 1691 auf Franckes Empfehlung Hauslehrer der Familie Schwarz in Lübeck.

22 Daniel Falckner (25.11.1666-ca. 1741), geb. in Langenreinsdorf bei Zwickau; 1688 Studi­um in Leipzig, 1690 in Erfurt; 1691 Besuche bei Johanna Eleonora undjohann Wilhelm Petersen (s. Brief Nr. 7, Anm. 46 und Nr. 17, Anm. 33) in Lüneburg; 1694 mit einer chiliastischen Gruppe Auswanderung nach Amerika und dort Leiter der chiliastischen GesellschaftDas Weib in der Wüste" am Wissahickon Creek bei Germantown; 1698/99 Deutschlandaufenthalt als Sendbote der Auswanderer; 1701 Amtmann in Germantown; Pfarrer der von ihm gegründeten ersten deutsch-lutherischen Gemeinde Nordamerikas; 1709 lutherischer Prediger der Gemeinden im Ravitan Valley/New Jersey, nach 1723 Visitator aller deutschen Gemeinden zwischen Staten Is­land und Albany (DBA 306, 225f; Dictionary of American Biography 3, 259f; Matrikel Leipzig, 99; J.F. Sachse, The German Pietists of Provincial Pennsylvania. 16941708, Philadelphia 1895 [Reprint New York 1970], 299334 u.ö.; ders., Falckner's Curieuse Nachricht von Pensylvania [...], Philadelphia 1905, 31-38; Matthias, 269; A. Gregg Roeber, Der Pietismus in Nord­amerika im 18. Jahrhundert, in: GdP 2, 666699, hier 677). Die von Falckner wahrend seines Deutschlandaufenthaltes 1698/99 beantworteten Fragen (vgl. AFSt/H D 85: 469-597) erschienen 1702 im Druck (Curieuse Nachricht von Pennsilvania, Frankfurt a.M. u. Leipzig 1702; Reprint und englische Ubersetzung in Sachse, Curieuse Nachricht [s.o.], 45248).

23 Wohl Julius Franz Pfeiffer aus Lauenburg, 1682/87 Studium in Leipzig (1688 Baccalaureus) und 1690 in Erfurt; 1690 Aufenthalt bei Ehepaar Petersen (s. Anm. 22) in Lüneburg, 1692 im Hause des Ehepaares Schwarz (s. Anm. 21) in Lübeck, wo er selbst Offenbarungen hatte (Matrikel Leipzig, 330; Matrikel Erfurt, Heft 10, 58; Matthias, 256-259. 272-275 u.ö.; Witt, 29. 50; SBPrKB, Nachlaß Francke, Kaps. 16,2).

24 Heinrich Westphal (gest. 1691), geb. in Bardowick bei Lüneburg; 1689 Studium in Leipzig, Mitglied des Collegium Philobiblicum, 1690 mit Francke in Erfurt, 1691 in Bardowick (Ma­trikel Leipzig, 494; Kramer, Beiträge, 62; Kramer 1, 19, Anm. 1; Geissendoerfer, 15. 159 167). Westphal hatte Francke zusammen mit Elers 1688 kennengelernt; gemeinsam gingen sie nach Leipzig, teilten mit Francke das Zimmer im Pauliner Colleg und besuchten Spener in Dresden (s. Brief Nr. 3, Anm. 7). 1691 nahm Westphal sich offenbar in der aus dem Empfinden einer un­überwindlichen Diskrepanz zwischen dem Selbstanspruch an die eigene Person und den Möglich­keiten, diese zu verwirklichen, resultierenden Anfechtung das Leben (s. Brief Nr. 79, Z. 45-47).

25 Heinrich Julius Elers (s. Brief Nr. 3, Anm. 7).

26 Wohl Johanna Margarethe Lingk (Linck), geb. Büttner, Ehefrau von Salomo Friedrich Lingk, Geheimer Rat und Jagdsekretär in Dresden; stand mit Francke und dem Kreis um das Ehepaar Pe­tersen (s. Anm. 22) in Kontakt und empfing Briefe von Spener (SBPrKB, Nachlaß Francke, Kaps. 14; Th. Wotschke, Der märkische Freundeskreis Brecklings, in: JBBrKG 25, 1930, 193-226, hier 197-199. 207-209; Matthias, 262f). Francke berichtete ihr am 18./28.6.1690 von der Situation in Erfurt mit der Bitte, den Brief Spener zu zeigen, da er diesem selbst nicht so viel schreibe; Frau Lingk berichtete 1691 im Rückblick von ihrem Besuch in Erfurt und Arnstadt im Jahr 1690 (Breithaupt, Quellen [s. Anm. 19], 15-17. 84-85). Möglicherweise ist diese identisch mit der im Canstein-Francke-Briefwechsel erwähnten Frau Linck (Canstein/Francke, 189. 324f. 337).

27 Wohl Sophie Eleonore von Stolberg-Stolberg (s. Brief Nr. 5, Anm. 5).