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Nr. 16 A.H. Francke an Ph.J. Spenet 16.1.1692

45 vorwurff zu vermeiden. Der Herr Cantzler 11 last sichs ernstlich angelegen seyn und hat bey den Regierungs und Consist[orial] Rathen umgeschicket, und vota colligiret wegen einer probpredigt, oder wie man es sonst halten wolle. Wird ja nun wol dahin, wie eben gemeldet gedien seyn.

Die Universität nimmt hier zu, und kommen noch fast täglich Studiosi, wie­so wol eintzelen, herbey. Herr Lic. Sebach von Tenstedt 12 hat heute einen Sohn her kommen laßen, und wird auch noch einer nachkommen. 13 L. Weise 14 hat eine inquisition drüber causiret, das ich bey dem bürgerm[eister] 15 logiret 16 , u. ist der Rector 17 zur rede gesetzet, dem Gott sonst Freudigkeit und großen Seegen bey der Jugend verleyhen mag.

50 /von/.

vorgeschlagen, daß sie ein Schreiben nach Berlin senden könnten, wovon Francke abgeraten hatte (Kramer, Beiträge, 168-171).

11 Gottfried von Jena (20.11.1624-1.1.1703), geb. in Zerbst; Studium in Wittenberg, Gießen und Marburg; 1653 Dr. und Prof. jur. in Heidelberg, 1655 Prof. jur. in Frankfurt/Oder; 1662 kurbrandenburgischer Geheimer Rat, auf dem Regensburger Reichstag Gesandter für das Her­zogtum Pommern und das Fürstentum Halberstadt; 1663 Kanzler der Regierung des Fürstentums Minden, 1674 Wirklicher Geheimer Rat; ab 1681 (ausgeübt ab 1687) Kanzler der Regierung des Herzogtums Magdeburg; 1702 Stiftung des Jenaischen Damenstifts in Halle (DBA 603, 298-318 u. 1430, 160-161; ADB 13, 762f; NDB 10, 398; Dreyhaupt 2, 227. 643f; Jöcher 2, 1861f; Isaacsohn 2, 203ff. 256).

12 Der Tennstädter Bürgermeister Lic. Franziskus Seebach (AFSt/H D 77a: S. 321) Vater von Christoph und Johann Franziskus Seebach (s. Anm. 13), der sich der pietistischen Bewegung angeschlossen hatte (vgl. Kramer, Beiträge, 156). Leube und Schneider gehen fälschlicher­weise davon aus, daß Lic. Seebach Rektor der Tennstädter Lateinschule war (vgl. Leube, 249f; Schneider 2, 164; zum Schulrektors. Anm. 17).

13 Christoph Seebach (16751745), geb. in Tennstädt/Thüringen; 15.3.1692 Immatrikulation in Halle, 1697 Informator am Paedagogium Regium in Halle, verbreitete seit 1701 separatistische Lehren; 1711 Pfarrer in Tennstädt, dann in Schwarzenau, 1719 Ausweisung und Übersiedlung nach Berleburg, 1726 Durchführung von Katechisationen in der reformierten Kirche im Auftrag Graf Casimirs; 1730 versuchte Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf vergeblich, zwischen See­bach und der Schwarzenauer Gemeinde zu vermitteln (DBA 1168, 223f; Matrikel Halle, 414; Schneider 2, 164f). - Seebach vertrat in mehreren Publikationen spiritualistische und arianische Lehren sowie eine in die Apokatastasis panton mündende philadelphische Geschichtsschau. Der Bruder Johann Franziskus Seebach wurde ebenfalls am 15.3.1692 in Halle immatrikuliert.

14 Georg Weise (16371694), geb. in Weißensee/Thüringen; 1655 Studium in Leipzig (1659 Magister, 1683 Licentiat), 1665 Tertius in Schulpforta, 1671 Pfarrer in Mutzschen; 1680 Super­intendent in Colditz, 1687 Pfarrer in Tennstädt, 1692 amtsenthoben; 1694 designierter Super­intendent in Zahna (DBA 1344, 407f; Jöcher 4, 1870; Auskunft Pfarrerkartei der KPS; Pfarrer­buch Sachsen 2/2, 1004).

15 S. Anm. 12.

16 Francke hatte sich auf der Reise von Halberstadt nach Berlin Anfang November 1691 (s. Brief Nr. 13, Anm. 12 und Nr. 14, Anm. 1) in Tennstädt aufgehalten (Kramer, Beiträge, 156).

17 Paul Otto Zießler (um 1655/60-12.2.1732), geb. in Rochlitz; 1680 Studium in Leipzig, Schulrektor in Tennstädt; 1696 Diakon in Zehren bei Meißen, 1699 Diakon an St. Pauli in Brandenburg, 1710 erster Pfarrer ebd. (Matrikel Leipzig, 513; Pfarrerbuch Brandenburg 2/2, 995; Pfarrerbuch Sachsen 2/2, 1053; Kramer, Beiträge, 156 [ohne Vorname]; Briefe Zießlers an Francke ab 1699 im AFSt/H C 288: 1-16).