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Nr. 16 A.H. Francke an Ph.J. Spaier 16. 1. 1692
65 verkaufFet. 26 Herr D. Sagittarius 27 hat an Herrn D. Breithaupt geschrieben 28 , und eine disputationem Synodalem Querfurti habitam contra Pietismum et in specie contra Sagittarii theses 29 sub praesidio Schwartzii 3 " übersant, samt seiner geschriebenen refutation 31 welche wir durchgesehen und ihm zusenden wollen. Herr Elers 32 und Herr Sültzberger 33 von Arnstadt sind gestern und
70 heute bey uns gewesen, berichten, daß in Arnstadt auch eine inquisition wider sie angestellet sey 34 , aber zugleich daß das werck des Herrn daselbst (wie auch zu Sultzenbrücken 35 ) wachse und fortgehe.
67 /sub praesidio Schwartzii/.
26 Der Verleger der Leipziger Akten (s. Anra. 23) ist möglicherweise der Leipziger Johann Heinich (s. Brief Nr. 5, Anm. 4), denn Francke berichtet in seinem Tagebuch am 20.1.1692, daß er diesen wegen der ungefragten Veröffentlichung seiner Schriften brieflich „ernstlich verwiesen" und am 23.1. dessen Entschuldigung und Versprechen, „solches hinfiiro zu unterlaßen", erhalten habe (Kramer, Beiträge, 172f). Vor allem Heinich dürfte die Schriften dann auch verkauft haben.
27 Kaspar Sagittarius (s. Brief Nr. 8, Anm. 14).
28 Der Brief ist nicht überliefert, Francke referiert dessen Inhalt aber in seinem Tagebuch. Sagittarius spricht sich für die Edition der Leipziger Akten und der Erfurter Vorgänge aus und begrüßt eine „excusatio Pietismi" auf dem Altenburger Landtag, weil er davon ausgeht, daß die Unnahbarkeit der Vorwürfe gegen Francke u.a. mit der Veröffentlichung Idar zutage treten würde (Kramer, Beiträge, 170). Schon im Vorjahr hatte Sagittarius Francke aufgefordert, seine Apologie (s. Anm. 23) herauszugeben, und selbst erwogen, eine „Historiam de Collegiis Pietatis eorumque promotoribus" zu schreiben, was Francke wegen zu vieler Ehren der Person aber abgelehnt hatte (Kramer 1, 97f; vgl. Brief Nr. 12, Z. 50-53).
29 C. Sagittarius, Theses theologicae de pietismo genuino, [...], [Jena] 1691.
30 Johannes Schwarz (28.11.1637-25.2.1725), geb. in Wittenberg; 1657 Studium in Jena, 1663 Magister in Wittenberg, 1669 Rektor in Bartfeld/ Oberungarn, 1672 Rektor in Leutschau; Aufenthalt in Wittenberg, 1675 Dr. theol. ebd. und Direktor am Gymnasium in Weißenfels, 1681 Superintendent in Querfurt (Jöcher 4, 402f). — Gemeint ist die Schrift: Theses Theologicas contra hodiernum ita dictum Pietismum adornatas, inconsveta Synodo Dioeces. Querfurtens [...] 1691. Sub Praesidio Johannis Schwarzii S. Th. D. et Superint. impressas Leucopetrae literis Bruhlianis, Wittenberg 1691.
31 C. Sagittarius, Theses theologicae apologeticae de promovendo vero christianismo ad [...] Johannem Schwartzium [...], [Jena] 1692.
32 Heinrich Julius Elers (s. Brief Nr. 3, Anm. 7).
33 Christian Sigismund Sültzberger aus Leipzig spielte im Frühjahr 1693 im Kreis um Ernst Christoph Hochmann von Hochenau (s. Brief Nr. 79, Anm. 17) und Johann Christian Ernst Machenhauer (s. Brief Nr. 79, Anm. 18) in Halle eine zentrale Rolle und mußte die Stadt daraufhin verlassen (s. Brief Nr. 81, Anm. 8); er lebte später in England und hielt sich 1696 in Kleve auf (Renkewitz, 29f. 33. 38; Wotschke, Rheinische Freunde, MRKG 23, 1929, 55ff).
34 Offenbar waren Elers und Sültzberger nicht vor das Konsistorium gefordert worden, sondern Superintendent und Hofprediger hatten zunächst privat mit ihnen geredet. Mit dem Aufenthalt in Halle beginnt Elers eine Reihe längerer Unterbrechungen seiner Informatorentätigkeit in Arnstadt bis zum Ende des Jahres 1692, um den dortigen Auseinandersetzungen zu entgehen (Wotschke, Thüringen, 17, Anm. 1; Böhme, Elers [s. Brief Nr. 3, Anm. 7], lOff).
35 Die Bemerkung bezieht sich wohl auf Vorgänge um den Böttcher Hans Ludwig Nehr- lich (geb. 1653) aus Sülzenbrücken, der Francke und Breithaupt im Februar 1691 in Erfurt kennengelernt und während einer Predigt Breithaupts eine Bekehrung erlebt haben soll. Hierauf hatte Nehrlich in Sülzenbrücken langwierige Auseinandersetzungen v.a. mit seinem Beichtvater,