Nr. 20 Ph.J. Spener an A.H. Francke I23.(?)j2. 1692

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Wegen Herrn D. Petersen und Fraülin von der Aßeburg 31 ist wol die- sesmal meine meiste sorge u. kummer 32 , doch wird Gott auch darin seinen willen gnädiglich weißen, und seine kinder, die ihn zu erkennen verlangen, 60 nicht eben stäts in Ungewißheit laßen. Nun solle Herr D. Meyer 33 seine dinge wider mich heraußgeben 34 , aber gegen den ist bey mir mehr erbarmen alß forcht, was mich anlangt: wiewol mir dieses sorge macht, das wegen der Aßeburgischen sache ihm und andern gegen Herrn D. Dieckman 35 u. Herrn L. Baldovium 36 in Stade solle commission auffgetragen sein. Also wollen die 65 inquisitionen hin u. wider die obhand nehmen. Aber der im Himmel sitzet, behelt dennoch das regiment. 37 In deßen treue regirung u. segen endlich er­gebende verbleibe

Meines wehrten Herrn u. Bruders zu gebet u. liebe williger

Ph[ilipp] J[acob] Spener D. Mppria 70

Berlin den 23. Febr. 1692

Herrn Dr. Breithaupten 38 dem nechst nach Gottes willen schreiben solle 39 , wünsche allen segen: wie auch solchen grüß an Herrn Vockeroden 40 , Herrn

30 Johann Wilhelm Petersen (s. Brief Nr. 17, Anm. 33).

31 Rosamunde Juliane von der Asseburg (s. Brief Nr. 15, Anm. 17).

32 Die Bemerkung bezieht sich auf den im Januar gelaufenen Prozeß gegen Petersen und Asseburg vor dem Konsistorium in Celle, in dessen Ergebnis Petersen seines Amtes als Super­intendent in Lüneburg enthoben worden war (Matthias, 327ff; vgl. Brief Nr. 17, Anm. 34).

33 Johann Friedrich Mayer (s. Brief Nr. 17, Anm. 35).

34 Vermutlich: Johann Friedrich Mayer, Mißbrauch der Freyheit der Glaeubigen zum Deckel der Bohsheit/ aus Philipp Jacob Speners sehr harter und anzueglicher Schrifft/ gen. die Freyheit der Glaeubigen von dem Ansehen der Menschen in GlaubensSachen [...], o.O. 1692 (Grün­berg Nr. 430).

35 Johann Diekmann (Diecmann, Dieckmann) (30.6.16474.7.1720), geb. in Stade; 1664 Studium in Gießen, 1666 in Jena, 1670 in Wittenberg (1671 Magister); 1675 Gymnasialdirektor in Stade, 1683 Dr. theol. in Kiel, Generalsuperintendent der Herzogtümer Bremen und Verden; 1712 kriegsbedingtes Exil in Bremen, 1715 Neuberufung zum Generalsuperintendenten nach Stade durch die königliche Regierung von Großbritannien (DBA 234, 248-263; ADB 5, 118f; NDB 3, 636f; Zedier 7, 817; Jöcher 2, 114f; Matthias, 260ff. 320. 324). - Diekmann stand mit den Petersens und von Asseburg in Kontakt.

36 Samuel Baldovius (15.11.1646-6.11.1720), geb. in Nienburg/Weser; 1665 Studium in Helmstedt, 1668 Magister in Leipzig; 1672 Subkonrektor der Domschule Bremen, 1673 Beicht­vater und Hofprediger bei Herzog Ferdinand Albrecht in Bevern; 1676 Lic.theol. in Gießen, 1683 Pfarrer zu St. Cosmae und Damiani in Stade, 1691 Dr. theol. in Gießen; 1699 Etatsprediger in Stade und Assessor des Konsistoriums in Bremen und Verden, 1713 Kirchen- und Konsistorialrat sowie 1. Pfarrer am Dom und Superintendent zu Verden (DBA 51, 238-255; Jöcher 1, 732; Zedier 3, 200; Matrikel Leipzig, 14; Pfarrerbuch Hannover 2, 387. 389. 391. 458). - Baldovius verfaßte zahlreiche Erbauungsschriften und stand seit 1678 in Korrespondenz mit Spener (vgl. Spener, Frankfurter Briefe 3, Brief Nr. 222).

37 Vgl. EG 361, Strophe 1 und 324, Strophe 17.

3S Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).

39 Ein entsprechendes Schreiben Speners an Breithaupt ist nicht überliefert.

40 Gottfried Vockerodt (s. Brief Nr. 16, Anm. 44).