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88 Nr. 21 A.H. Francfee an P/iJ. Spener [23.2. /692 ß)y

Ein kleines Mägdlein so noch nicht communiciret, nemlich der Secretarin Linckhammerin 20 , da die studiosi im seminario speisen, Töchterlein 21 hat 45 sich anfänglich durch Herrn M. Wiegelebs 22 Gespräche bey Tische, dar­nach auch in einigen predigten sehr bewegen laßen, und da sie zum Gebet geflohen, viele Gnade und Kraflt von Gott erlanget, daß wir uns hertzlich darüber erfreuet.

An meinen Glauchensibus giebt mir Gott auch gar gute hoffnung. Verhoffe

so daß ich nun wohl innerhalb wenig tagen die Pfarrwohnung werde beziehen können. 23 Sonst finden wir in allen collegiis die publice und privatim gehalten werden auch guten Fleiß und auffmercksamkeit der studiosorum, und läßet sichs in allem zu einer trefflichen Erndte auff künfftigen Sommer ansehen. Das beste und gesegneteste, so viel ich erkennen kan, ist bißanhero gewesen

55 des Herrn D. Breithaupts 24 exercitium Sabbathicum, welches er vor meinem hieher kommen mit den studiosis nachmittags um 4 Uhr angefangen, nach der Zeit haben sich einige bürger auch dabey eingefunden, welchen man ja die Thür nicht versperren können. Es hat sich aber auch bald erwiesen, daß sie Gott nicht vergebens dabey sitzen laßen, einer, wiewohl derselbe von

60 einem anderen ort als ein reisender sich nur dabey eingefunden, ist von freyen stücken zu mir kommen, hat mit vielen thränen sein hertz für mir ausgeschüt­tet, und bekant, daß er bey unserer Sontags Übung gerühret sey, und zur Erkentniß seiner Sünden gebracht, denn er habe einen Ehebruch begangen, welches ihm nun gar sehr schmertze, und sich gern recht zu Gott bekehren

65 wolle, meldete dabey auch solche Umstände, die gnug anzeigten, daß eine große bewegung in seiner Seele müße fürgegangen seyn. Dieses führe nur zum Exempel an denn sonst sich vieler Seegen gezeiget hat. Es scheinet auch der Teuffel mercke es gar wohl, daß ihm hiedurch ein mercklicher abbruch geschehen werde, daher man fast auff nichts bißhero so übel zu sprechen

51 wir ] + auch: D.

20 Vermutlich handelt es sich um Anna Magdalena geb. Dürfeid (8.5.164216.4.1965), geb. in Magdeburg, seit 1662 Ehefrau des Halleschen Sekretärs und Pfanners Johann Georg Ringhammer, die gemeinsam mit ihrer ältesten Tochter die Stigmatisierung Anna Maria Schucharts (s. Brief Nr. 22, Anm. 15) im Oktober 1692 in Halle miterlebte (Dreyhaupt 2, Anhang, 129; Witt, 40. 46 u.ö. [mit anderer Identifikation); vgl. Anm. 21 und Brief Nr. 55, Anm. 26).

21 Wohl Sophia Elisabeth, die jüngste Tochter (geb. nach 1672 [Geburtsjahr der älteren Schwe­ster Anna Dorothea]), die 1710 in erster Ehe Gregorius Luppe, Pfarrer in Brachstädt, heiratete (Dreyhaupt 2, Anhang, 129). In seinem Tagebuch erwähnt Francke am 15.2.1692 die Tochter derSecretaria Klinckhammerin", an der der Herr besondere Barmherzigkeit erwiesen habe (Kramer, Beiträge, 176). Vermutlich handelt es sich um das hier genannte Mädchen, so daß für den Nachnamen drei verschiedene Schreibweisen (Linckhammer/ Klinckhammer/ Ringhammer) angenommen werden müssen (vgl. Anm. 20).

22 Johann Hieronymus Wiegleb (s. Brief Nr. 8, Anm. 15).

23 Francke bezog die Pfarrwohnung am 19.3.1692 (Krämer, Beiträge, 181).

24 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).