Nr. 21 AM. Francke an Ph.J. Später [23.2. 1692 (?)]

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gewesen, als eben darauff, biß endlich Herr D. Olearius 25 am verwichenen 70 Donnerstag mit Herrn D. Breithaupt deswegen geredet 26 , wie nemlich von der Sache in ihrem conventu ecclesiastico gehandelt worden, und hätte man erst in Frieden mit Ihnen davon reden wollen, ob er sich wolle bewegen laßen, es einzustellen, sonst wolle man es zu Berlin klagen 27 . Rationes 1. Das ministerium würde veracht. 2. Die predigten würden leicht versäümet, wenn 75 die leute meyneten, sie könten noch dahinein gehen. 3. Man habe keinen beruff dazu die bürger zu lehren. Der Herr D. hat ihm solches gebührend beantwortet, und remonstriret, daß man ja überflüßig befugt sey die studiosos auffs beste anzuführen und zu exerciren, so heiße man ja keinen bürger dazu kommen, könne es ihnen aber auch ja nicht wehren, so sie frey zu lieffen 80 etc. etc. Hat ihm auch fürgestellet, was er gedächte dem Herrn Christo zu antworten an jenem Tage, daß er eine solche Sache gewehret und gehindert hätte, etc. Nun kan ich auch in warheit nicht sehen, wie man gleich auff ein solch anfordern, eine so gewiß und augenscheinlich heylsame Sache auff- heben solle. Denn 1. ist keine Unordnung dahero zu befahren 28 , sonst Herr 85 D. Breithaupt selbst so gescheuet seyn würde, solche nicht zu verstatten. 2. Die Ursachen, warum es solte eingestehet werden keine andere sind als der Neid, Eigen Ehre, falscher argwöhn pp. keines weges aber Gottes Ehre da­durch, wenn es eingestehet würde, beßer befordert wird. 3. Ist es ja recht gott- loß, daß man es nicht leiden kan, wenn sich ein bürger bey einen Studenten 90 stellet, und begierig ist, den Grund seines Christenthums beßer zu faßen wenn einer in seinem beruff stehet, und thut was ihm Gott und die Obrig­keit befohlen hat, so mag ja zusehen oder zuhören wer da will, was gehet das andere an, oder wer hat einen Schaden davon? 4. Ist es recht unverschämt, daß man flux mit einem D. und Prof. Theol. anbindet, wenn er mit seinen an- 95 vertrauten Studenten etwas fürhat, und es treten nur bürger dabey und hören zu. Warum soll der Professor das gleich entgelten? Oder als wenn die bürger Gifft von Ihm einsaugen würden? Vertrauet man ihm, daß im gantzen lande sollen lehrer aus seiner Schule hin und wieder gesetzet werden, was bringet es denn für Gefahr, wenn Ihm einige bürger zuhören. Und was ist das für eine too öcXXoTptoeTctaxoTct.a 2y , welche einer gantz und gar nicht affectiret hat.

80 ja 1 -D. 101 Schluß fehlt.

25 Johann Christian Olearius (s. Brief Nr. 20, Anm. 3).

26 Das Gespräch zwischen Olearius und Breithaupt fand am 18.2.1692 statt (Kramer, Beiträge, 177).

27 Aus einem Brief Speners an Olearius vom 27.2. geht hervor, daß Olearius sich in der Sache tatsächlich an Franz von Meinders (s. Brief Nr. 22, Anm. 26) gewandt hatte (LBed. 3, 507f).

28 Befürchten (DWB 1, 1246-1248).

29 S. Brief Nr. 10, Anm. 20.