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Nr. 25 Ph.J. Spawr an A.H. Francke 2. 4. \692

alhier gehör gefunden, und meinets eine große Ungerechtigkeit, und das ver­derben des gymnasii zu sein, wo die academica exercitia sub eodem tecto mit den scholasticis angestellet würden. 10 Ich hoffe ihm das gegentheil erwiesen zu haben, wo nicht affecten hinderten, das man eine sache wie sie an sich

20 selbs ist nicht recht einsehen kan, oder will. Es ist ihm gnug gezeigt, das ihm und dem gymnasio an dem jenigen, worzu sie die kirche gebrauchen, das allergeringste nicht abgehen solle sondern die Zeiten also eingerichtet werden können, das sich niemand zu beschwehren: Solte aber das gymnasium etwas abbruch leiden, welches ich nicht eben in abrede bin wegen der hospitio-

25 rum, da bey zunehmender anzahl der studiosorum vielleicht die gymnasten weniger gelegenheit darzu finden möchten, müglich zu sein; komme solches nicht von dem gebrauch des templi Scholastici, sondern von der academia an sich selbs, es möge nun zu dero behuff diese oder eine andre kirche gewidmet werden. Er hat bekant, das er an Herrn Ursinum" von Herrn D. Oleario 12

30 brieff 13 gebracht, und von denselbigen freundlich angehöret worden. Ich will aber nicht zweifflen, wie von 2 der Herrn geheimen räthen 14 gehöret, man werde die Churf[ürstliche] Verordnung 1 '' nicht zurücke ziehen. Doch sehe ich vor mir zimliche motus, in dem man den rath und bürgerschafft auffwecken wird, sich bey dem Churfürsten 16 zu beschwehren. Jedoch vertraue ich

35 Gott, der die consilia derer, so nicht lauterlich seine ehre sondern das ihrige suchen, nicht durchtringen laßen wird: auch werden einige, so auff nebens- sachen sehen, davor halten, des Churfürsten respect seye es zuwider, von der resolution abzuweichen. Nur dieses ist mir leid, das durch diese gelegenheit etwa mehrere gemüther mögen mit einigem Widerwillen gegen liebe freunde

40 erfüllet werden.

Mit meinem Philipp Reinhardten habe alhier geredet 17 , das er sich nicht heraußlaßet ist keine andre Ursachen alß das er nicht anders kan: ich zweiffle aber nicht, der Himmlische Vater wird ihn weiter führen, nach dem maaß seiner gnaden. Was die übrige beide anlangt, den Wilhelm Ludwigen' 8 und

19 /sie an/.

10 Prätorius setzte sich in Berlin gegen die Anweisung des Geheimen Rates an den Magistrat der Stadt Halle, dieSchulkirche" der Universität zu Nutzung zu öffnen, zur Wehr (s. Brief Nr. 22, Anm. 41).

" Benjamin Ursinus (von Bär) (16461717); 1670 reformierter Hofprediger in Berlin, 1700 Oberhofprediger und Konsistorialrat, 1701 Bischof und geadelt (DBA 1298, 219-221; ADB 39, 365f; Jöcher 4, 1735; Canstein/Francke, 293. 492 u.ö.; Grünberg 1, 358).

12 Johann Christian Olearius (s. Brief Nr. 20, Anm. 3).

13 Nicht überliefert.

14 Nicht ermittelt.

Ir> Die Verordnung über die Hallenser Schulkirche (s. Brief Nr. 22, Anm. 41).

16 Friedrich III. (I.) von Brandenburg (s. Brief Nr. 18, Anm. 11).

17 Philipp Reinhard Spener (s. Brief Nr. 18, Anm. 27; vgl. Brief Nr. 24, Z. 25-27). m Wilhelm Ludwig Spener (s. Brief Nr. 16, Anm. 7).