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Nr. 31 Ph.J. Späterem A.H. Francke 16. 7. 1692

veranlaßt an Herrn D. Olearium zu schreiben, so auch jetzt thue 14 , und die gelegenheit davon mit Wahrheit nehmen kan, das vor wenig wochen geliebter Bruder mir durch einen guten freund (es wird Herr Lange gewesen sein) habe den treuen beistand deßelbigen in amtssachen gerühmt, deswegen mich

55 (so auch die Wahrheit) gegen ihn hätte bedancken wollen: Suche ihm nun dieses werck auffs freundlichste und glimpfflichste zu recommendiren. Gott gebe segen darzu. Wan Herr Cammer Rath 16 hinkommen wird, so bitte, seinem rath (dafern nichts wider das gewißen, so auch zu geschehen nicht hoffen will) zu folgen: Sonderlich Herrn D. Thomasii 17 sich in ihren Sachen

60 nicht zu gebrauchen. Wie er dann meinet, den stylum der letzten schrifft an das Consistorium 18 vor Thomasisch zu erkennen: Hingegen wo man denselben in die sache mischet, so versichre ich, daß es nicht allein mit Herrn Krauten auß sein wird, sondern es wird auch ins gesamt alhier die sache sehr graviren: Wie dann gewiß der Mann Herr D. Thomasius alhier fast durch

65 und durch nicht wol angesehen ist. Nun hat man ihm wol alle liebe u. treue, wo er unser bedarff, zu erzeigen: man hat aber nicht nötig sich seiner in den eignen geschafften zu gebrauchen, wo man weißt, das man solche dardurch verhaßter macht.

Die inquisition anlangend 19 , sagt Herr v. Meinders, Herr v. Schweinitz 70 u. Herr Kraut, das es keine inquisition hie zu lande gehalten werde, wo die von der part angegebenen zeugen vom commissario examiniret u. abgehört werden: sondern bey der inquisition müßte es dem fiscali befohlen werden. Der prediger intemperies 20 wird nicht leicht gestillet werden, biß Herr von Seckendorff und etwa auch Herr D. Stryck 21 dahin kommen, dero hieher 75 thuende berichte menschlicher weise am kräfftigsten einen einhält erlangen

56 /werck/. 64 /Herr D. Thomasius/.

13 Johann Christian Olearius (s. Brief Nr. 20, Anm. 3).

M Brief Speners [an Olearius] vom 15.7.1692 (LBed. 3, 506f).

15 Vermutlich handelt es sich um Nikolaus Lange, der zu diesem Zeitpunkt in Berlin wohnte (s. Brief Nr. 7, Anm. 12).

"' Christian Friedrich von Kraut.

17 Christian Thomasius (s. Brief Nr. 8, Anm. 20).

18 Vermutlich ist das Schreiben Franckes an das Konsistorium vom 9.7.1692 gemeint, das er dem von demselben Tag datierenden Brief an Spener beigelegt hatte (s. Brief Nr. 29, Anm. 8).

19 Vgl. schon die Unterscheidung der Inquisition von der Zeugenanhörung in Speners Brief vom 12.7.1692 (Brief Nr. 30, Z. 12-19 und Anm. 12).

20 Spener dürfte die gegen Francke aufgebrachten hallischen Stadtgeistlichen (s. Brief Nr. 22, Anm. 49) meinen.

21 Samuel Stryck (22.11.1640-23.7.1710), geb. in Lenzen in der Priegnitzer Mark; 1658 Theol.- und spater Jurastudium in Wittenberg, 1661 in Frankfurt/Oder; nach Reisen durch Holland und England 1665 Lic. jur. und ao. Prof. Novellarum ebd., 1666 Dr. jur., 1668 o. Prof. Institutiontun, 1672 Prof. Pandectarum und Comes palatinus Caesareus, 1680 Prof. Codicis; 1690 Prof. jur. und kursächsischer Appellationsrat in Wittenberg, 1692 kurbrandenburgischer Geheimer Rat, Direktor der Universität, Prof. jur. Primarius in Halle (DBA 1243, 320-336; ADB 36, 699-702; Jöcher 4, 900f; Dreyhaupt 2, 731).