Nr. 31 Ph.J. Spener an A.H. Ftancke 16. 7. 1692

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könen. Seiter muß man sie ihren willen reden laßen. Weil aber die rechte hülffe nicht von menschen sondern von dem Herrn kommen muß, müßen wir beten und hoffen, darinen solle unsre stärcke sein, in dero wir außhalten könen.

Von Berg 22 mag attestate bringen, welche er will 23 , wird ihm das er ein be- 80 trüger seye klahr vor äugen gelegt werden könen, wie sich alles nach der auß Holland eingezogenen nachricht 24 falsch befindet, was er außgegeben hat. Hingegen ists ein soviel böser anzeigen, das er noch in dem betrug continuiren will, und also keine reue vorhanden ist. Der Herr erzeige endlich an ihm ein zeichen seiner macht u. barmhertzigkeit. Inligenden bogen 25 bitte meinem 85 Christian Maximilian 26 zuzustellen, der denselben einem buchbinder geben solle. Die mutter 27 , weil sie einen starcken fluß in den backen 28 bekommen, kan nicht schreiben, wir grüßen ihn aber, und erinnern ihn, Gott vor äugen zu haben. In deßen treue obhut u. segen hertzlich erlaßende verbleibe

Meines vielgeliebten] Bruders zu gebet u. liebe williger 90

Phhlipp] J[acob] Spener D. Mppria

Berlin den 16.Jul. 1692

Des trucks der predigt 29 wegen wirds kein bedencken haben, wo nur wegen underlaßung der censur nicht neuer lermen entstehet: den wo dieselbige legis wäre, könte sie nicht übergangen werden. 30 95 Herrn D. Breithaupt 31 grüße ich freundlich in dem Herrn.

9395 I Des trucks ... werden. |. 96 | Herrn ... Herrn. [.

22 Heinrich Wedda (s. Brief Nr. 29, Anm. 18).

23 Wedda war nach Holland gereist, um Dokumente über seine Herkunft unter dem Namen von Berg" zu besorgen (s. Brief Nr. 29, Anm. 19).

24 Es dürfte das in Speners Brief vom 12.7.1692 erwähnte Schreiben der Frau von Owerkerk gemeint sein (s. Brief Nr. 30, Z. 43-45).

25 Wohl Philipp Jakob Spener, Väterliches Vermahnungs-Schreiben An Seinen lieben Sohn in Leipzig. Von einen guten Freunde zum Druck befördert, damit auch andere Christliche Eltern daraus lernen können, wie sie ihren Kindern, wenn sie selbige in die Frembde oder Lehre thun, dergleichen gute so wohl Mündliche als Schrifftliche Erinnerungen und Vermahnungen geben sollen, Leipzig'1692.

26 Christian Maximilian Spener (s. Brief Nr. 21, Anm. 8).

27 Susanne Spener (s. Brief Nr. 15, Anm. 16).

28 AlsFluß" (fluxus) oder auchCatarr" wurde die krankhafte Ausleerung flüssiger Stoffe wie z.B. die Absonderung von Eiter aus einem Geschwür bezeichnet (vgl. Zedier 5, 14401453; Encyklopädisches Wörterbuch der medicinischen Wissenschaft, hg. Medizinische Fakultät Berlin, Bd. 12, Berlin 1835, 341345). Es handelt sich also vermutlich um einen mit der Absonderung eitriger (?) Flüssigkeit einhergehenden entzündlichen Prozeß im Mundraum, möglicherweise eine Erkrankung der Speicheldrüsen.

Predigt Franckes am 6. So.n.Tr. 1692 (s. Brief Nr. 28, Anm. 18).

30 Den Druck der Predigt ohne Zensur verantwortete der Drucker unter Berufung auf von Seckendorf (vgl. Brief Nr. 32, Z. 84-87).

31 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).