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Nr. 32 AM. Francke an Ph.J. Später 19. 7. 1692

32. A.H. Francke an Ph.J. Spener

Glaucha, 19. Juli 1692

Inhalt

Betrug Heinrich Weddas ist jetzt offensichtlich. Buchhändler Andreas Luppius bringt Francke und Breithaupt durch Mitverdächtigung in Gefahr. - Sendet Liste mit Namen frommer Leute und berichtet von wachsender Beteiligung am Katechismusexamen. Klagt darüber, daß viele Gemeindeglieder in die Stadt gehen. Legt Predigtnachschriften von Studenten und seine Supplik an den Kurfürsten bei. Will Christian Thomasius nicht mehr um Rat fragen. Hofft auf per­sönliche Unterredung mit Christian Friedrich von Kraut. - Legt seine Predigt vom 6. So.n.Tr. bei. Frau Bielefeld soll 18 Wochen nach der Eheschließung niedergekommen sein. Christian Maximilian Spener ist mit Georg Michael Laurentius nach Merseburg gereist.

Überlieferung

A: AFSt/H D 66: 158-159 D: Kramer, Beiträge, 235238

Göttliche Gnade und Krafft von dem, der der Schlangen den Kopff zertreten 1 , und uns also zu stetigen überwindern gemachet hat!

Theurester Vater in Christo,

dero geliebtes vom 12. Jul. 2 ist mir am verwichenen Freytage 3 wohl eingehän- diget worden. Daß ich das hauptwerck, davon zu schreiben ist 4 , zuletzt spare, berichte ich, daß der so genannte Herr von Berg 5 von seiner reise nach Janis- hausen wieder zurückkommen 6 und hiedurch passiret, hat sich verlauten las­sen, er habe attestata vom Rath von Groningen 7 bey sich gehabt, habe droben einen revers in gegenwart notarien und zeugen von sich geben müssen, daß er an ihnen nichts ferner wolle zu praetendiren haben, sie aber wohl an ihn, etc. Indeßen sind brieffe einkommen von Leipzig und Dreßden 8 die die gewiß-

1 Zu dem im Protestantismus besonders im 16. Jahrhundert beliebten Bild für Christi Sieg über den Satan vgl. Gen 3,15, Ps 91,13 und Lk 10,19 (vgl. Lexikon der Christlichen Ikonographie, hg. E. Kirschbaum u.a., Bd. 4, Rom u.a. 1972, 78f).

2 Brief Nr. 30.

3 14.7.1692.

4 Francke meint den Fortgang der Auseinandersetzungen um den Ausschluß der Wirte vom Abendmahl, den Spener einschließlich der aktuellen Diskussion in Berlin hierzu in seinem Brief vom 16.7.1692 (Brief Nr. 31) ausführlich thematisiert hatte. Francke geht auf diesesHaupt­thema" und damit auch auf Speners letzten Brief, den er gerade erhalten hat, erst weiter unten ein (s. Z. 61ff).

5 Heinrich Wedda (s. Brief Nr. 29, Aura. 18).

6 Nach dem Bericht von Cansteins reiste Wedda nach der heimlichen Heirat mit Helena Lukretia von der Asseburg in Jahnishausen nach Holland, um Dokumente über seine Herkunft zu beschaffen (Schicketanz, 142; vgl. Brief Nr. 29, Anm. 19).

7 Groningen (NL).

8 Nicht ermittelt.