Nr. 32 AM. Framke an Ph.J. Später 19. 7. 1692

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heit seines schändlichen betrugs und boßheit zur Gnüge confirmiren. Es ist dieses ja zwar ein sehr hartes, wird aber ohne zweiffel zu diesen gefahrlichen zeiten, da man nicht gern bey der einfalt des Glaubens und der liebe und der predigt von der büße und Vergebung der Sünden bleiben wil, vielen eine sehr 15 heilsame arzney seyn, welches ich schon an einigen wargenommen.

Hier ist uns nichts gefährlichers, als der buchführer Luppius 9 , welcher sich wo er kan bey den Studenten anschmiret, und ihnen allerley tractätlein um Gewinnes willen beybringet, welches uns bald sehr viel böses bringen könte, der Herr Doctor 10 und ich wiederstehen so viel wir können, weiß aber nicht, 21) wie weit es reichen wird, wollte am liebsten, daß wir solches handels gar ent- übriget wären, und daß es dem Luppio gar nicht gestattet würde. Meinen weg habe ich gegenwärtig davon eröffnet, daß ich weder in Leipzig noch in Erffurt fremde bücher auffkommen lasse, aber so nahe ist es mir noch nicht geleget worden. Und heist doch darnach, das machet D. Breith[aupt] und 25 M. Francke. 11

Im übrigen läst sich noch unter dem jetzigen Gewitter hier und da einiger Seegen mercken, und sende ich hierbey einige Namen, welche mir sonderlich beygefallen, von bekanten feinen hertzen 12 , die ich bitte im Gebet dem lieben Gott mit fürzutragen. Solte Gott die Gelegenheit geben, mündlich davon 30 zu reden, würden mit großer Vergnügung Gottes heilige Führungen an einer und der andern Seelen zu erkennen seyn. Z[um] efxempel] an Riemern dem

27 noch unter ] nach: D.

9 Andreas Luppius, Buchhändler und Verleger zu Wesel, Duisburg und Frankfurt. Luppius war seit 1685 mit Spener bekannt. Er verlegte mystische und theosophische Schriften sowie 1692 ein Gesangbuch unter dem TitelAndaechtig Singender Christen=Mund/ Das ist: Wahrer Kinder GOttes Geheiligte Andachten [...]", das auchPietistengesangbuch" genannt wurde und u.a. Lieder vonJ.J. Breithaupt, J.W. Petersen undJ.C. Schade enthielt (DBA 790, 286 u. 290f; ADB 19, 650; Jöcher, EB 4, 172f; PJ. Mennehöh: Duisburg in der Geschichte des niederrheinischen Buchdrucks und Buchhandels bis zum Ende der alten Duisburger Universität [1818] [Duisburger Forschungen. Schriftenreihe für Geschichte und Heimatkunde Duisburgs, 13. Beiheft], Duisburg 1970, v.a. 95-103; S.-P. Koski, Und sungen das lied Mosis deß Knechts GOttes/ und das lied deß Lamms - Apoc. XV:3. Zur Theologie des Geist=reichen Gesang=Buches (Halle 1704) von Johann Anastasius Freylinghausen, in:Geist=reicher" Gesang. Halle und das pietistische Lied, hg. G. Busch u. W. Miersemann [Hallesche Forschungen, Bd. 3], Halle 1997, 171-196, hier: 180. 188-194 u.ö.; W. Miersemann, Auf dem Wege zu einer Hochburggeist=reichen" Gesangs: Halle und die Ansätze einer pietistischen Liedkultur in Deutschland, in:Geist=reicher" Gesang, aaO, 11-80, hier: passim [Lit.]; vgl. auch Brief Nr. 39, Z. 38-43 und Anm. 28).

1(1 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).

11 Luppius verbreitete Schriften mystischen und theosophischen Inhalts (Paracelsus, Böhme, Weigel, Breckling) und mußte Francke und Breithaupt gefährlich werden, wenn der Eindruck entstand, diese würden den Vertrieb der Schriften unterstützen oder veranlassen (vgl. hierzu vor allem den Hergang der Untersuchungen der Kommission im November, Brief Nr. 58, Z. 9-14).

12 Nicht ermittelt.