150
Nr. 31 Ph.J. Später an AM. Fmnckc 2. 8. 1692
Die gelegenheit darzu ist diese. Ich bin von vielen orten wegen Herrn Wolters 21 gewarnet worden, das nicht wenig deßen, so etwa Gott vorhin erbauet, nidergerißen würde, das man deswegen nötig angesehen, sich ihm
30 zu widersetzen, weil ich aber nicht gantz seiner meinung gewiß, und ihm also nicht unrecht thun solle, so mache ich eine vorrede von dem mißbrauch des Evangelij, deßen freyheit, freude u. dergleichen: Da ich weder Wolters nenne, noch den stylum alß gegen jemand gewißes führe, hingegen nach dem ich die herliche axiomata der gläubigen, die er auch treiben solle, krafftig vor-
35 stelle, mit mehrerem, wie dieselbe mißbrauchet werden könten, das es also mehr in forma einer Warnung alß Widerlegung gefaßt ist: Indeßen kommt alles hinein, was mir von seinen gefahrlichen hypothesibus 22 (qua fide, non disputo) hinderbracht ist. Sölten nun unsre beyde materien nahe eintreffen, hinderts doch nicht, und dienet von underschiedlichen einerley zu lesen zu
40 mehrer bekräfftigung. Meines muß in wenig tagen fertig sein. Die Frau von Reichenbach 23 hat geschrieben, er werde selbs zu mir herkommen, und mit mir reden. Ich zweifle aber sehr daran, denn er solle aller Theologorum ge- spräche meiden.
Wegen Luppij 24 bitte zuberichten, ob er selbs da? oder ob er einen diner, 45 laden, factor, da habe? u. wie die bücher debitirt werden? 25 Sobald nach- richt vorhanden, so wird rath geschafft werden. Im übrigen bitte ihm durch jemand sagen zu laßen, das er mir etwas dediciren wolle, ich ließe ihn aber erinnern, solches nicht zu thun, dann es vor eine offension auffnehmen würde. 26 An Herrn D. Breithaupten 27 ist nicht zeit zu antworten 28 vorhanden, so bitte hertzlich zu grüßen. Ich habe alles gelesen, kan aber das letzte dißmahl nicht schicken, weil Herr M. Schade 29 wegen morgender predigt, es noch nicht lesen könen. Bin mit allem, das es so getruckt werde 30 , zufrieden. Der Herr gebe segen. In dem empfange beylage von Franckfurt am Mayn 31 .
21 Christian Theodor Wolters (s. Brief Nr. 16, Anm. 20).
22 Wolters war seit dem Ende der 80er Jahre bekannt wegen Verbreitung perfektionistischer und antinomistischer Lehren.
23 Maria Sophie von Reichenbach (s. Brief Nr. 16, Anm. 22).
24 Andreas Luppius (s. Brief Nr. 32, Anm. 9).
25 Francke hatte am 19.7. darüber geklagt, daß Luppius unter Hallenser Studenten Traktate verkaufe (s. Brief Nr. 32, Z. 17-26).
26 Zur Widmung vgl. Brief Nr. 39, Z. 38-43 und Anm. 28.
27 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).
28 Ein Brief Breithaupts an Spener, der von Ende Juli 1692 datiert, wurde nicht ermittelt.
29 S. Anm. 4.
Möglicherweise hatte Breithaupt Spener das Manuskript seiner Antrittsvorlesung vom 18.11.1691 mit dem Titel „Oratio inauguralis, de Reformationis Evangelicae natura et indole, Quam in Academia Electorali Fridericiana [...] habuit [...]", das erst 1693 gedruckt wurde (Vorrede vom 10.10.1693), zur Durchsicht gesandt.
1 Gemeint ist wohl eine Sendung des Frankfurter Verlegers Zunner (s. Brief Nr. 99, Anm. 18), die die im folgenden erwähnte Schrift von Wiegleb noch ohne einen geplanten lateinischen Appendix enthielt.