Nr. 38 A.H. Francke an PhJ. Später 6. 8. 1692
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angefangen, und schreibt Herr HofFr[ath] Brückner 11 es dürffte wohl an die Suspension oder remotion gehen 32 , das meiste ist wohl daß er wieder den superint[endenten] Fergen 33 sich sehr setzet. 34 Von diesem verlautet sonst ein 40 vortrefflich zeugniß, daß er nicht allein die warheit predige, sondern auch sich warhafftiglich drinnen erfinden lasse zu vieler Erbauung. Der Herr sey gelobet.
Was ich von Herrn D. Bilefelden 35 gutes höre, ist mir eine warhafftige hertzens Freude. Herr Zühl 36 hat auch dieser Tagen an mich geschrieben 37 , 45 berichtet daß die kuh- und sau-hirten leute bey ihm am höhesten würden, nemlich in der Erkentniß Gottes.
Hie selbst hat uns der Satan durch Gottes Zulassung einen Streich gemachet, der nicht viel ärger taugete. Ich habe für einiger zeit meinem beichtvater 38 , der in solchen dingen sorgfaltig colligiret, einige brieffe wegen der eestati- 50 carum 39 communiciret, in gutem vertrauen. Er hat aber einen ungetreuen Menschen im hause 40 , der ihm solche brieffe tückischer weise entwendet, da er sie nur mit dem daumen zugesiegelt in seiner Studier Stube liegen lassen, und hat sie unter die leute gebracht, 41 solche hat man nun ziemlich herum
31 Hieronymus Brückner (16.2.1639-11.2.1693), geb. in Erfurt; 1659 Studium in Helmstedt, 1661 in Leipzig, 1662 Reise durch Deutschland, England und Holland, dann Aufenthalt in Gotha; 1663 Teilnahme am Regensburger Reichstag, 1664 Referendarius in der Syndikat-Stube in Erfurt, 1665 Informator am Gothaer Hof, 1666—1670 Reisen mit den Gothaer Prinzen nach Tübingen, Genf, Dänemark und Schweden; 1671 Gothaischer Lehnssekretär, 1680 Hof- und Justizrat in Meiningen, 1681 Dr. jur. in Tübingen, 1685 Hof- und Konsistorialrat in Gotha (DBA 150, 219-221 ;Jöcher 1, 1411).
32 Der entsprechende Brief Brückners ist nicht überliefert. Hack wurde seines Amtes als Diakon in Gotha 1692 tatsächlich enthoben (s. Anm. 23).
33 Heinrich Fergen (s. Brief Nr. 10, Anm. 3).
34 Fergen stellte sich in einer ausführlichen Stellungnahme vom 20.7.1692 ganz auf die Seite der Kandidaten und wies die gegen sie erhobenen Vorwürfe scharf zurück (Fergen, Wahrhaftiger Bericht, 29—55; Koch, Fergen, 195). Hack unterlag im Konflikt mit den Kandidaten der Theologie aber auch, weil sich die vormundschaftliche Regierung auf deren Seite positionierte (vgl. Anm. 28).
35 Johann Christoph Bielefeld (s. Brief Nr. 30, Anm. 24).
36 Vermutlich Eberhard Philipp Zühl (s. Brief Nr. 8, Anm. 1).
37 Nicht überliefert.
38 David Ehrius (gest. 2.12.[11.] 1705), 1679 Präzeptor und stud. theol. bei Pfr. Burgard Rust, Athensleben; seit 1684 Pfarrer in Ammendorf bei Halle (Dreyhaupt 2, 876; Pfarrerbuch KPS 2, 420).
39 Es handelt sich um insgesamt 10 briefliche Berichte an Francke über Catharina Reinecke aus Halberstadt (s. Brief Nr. 15, Anm. 10), Magdalena Ellichs aus Quedlinburg (s. Brief Nr. 16, Anm. 47) und Anna Maria Schuchart aus Erfurt (s. Brief Nr. 22, Anm. 15), vgl. Anm. 42.
40 Gemeint ist hier vermutlich Johann Christoph Löser aus Penig in Sachsen, der 1685 und 1691 in Leipzig immatrikuliert und zu dieser Zeit Informator der Kinder von Ehrius war (Matrikel Leipzig, 268; vgl. Deppermann, 79; s. aber Anm. 41).
41 Ehrius (s. Anm. 38) selbst stellt den Verlauf so dar; Er habe Löser (s. Anm. 40) unter Auferlegung strengsten Schweigegebots aufgefordert, die Briefe zu kopieren und die Originale Francke versiegelt und eigenhändig danach wieder zu übergeben, was dieser auch getan habe. Einige Wochen später seien aber die Studenten [Johann Christoph (?)] Hil(le)mann (aus Dieten-