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Nr. 38 A.H. Francke an Ph.J. Spawr 6. 8. 1692
55 getragen, biß sie endlich in Leipzig unter meinem Namen in druck gekommen 42 , an einigen Orten, absonderlich wo es alber und contra communes sensus ist, treffen sie mit dem original, so zwar denen wiederwärtigen nicht in die hände kommen, nicht überein, auch wo Sp. stehet, welches ein jeder pro nomine Speneri lesen möchte. 43 Solte es noch nicht ankommen seyn,
60 übersende hiebey ein exemplar. Ein jeder unbekanter wirds auffhehmen, als wenn ichs heraußgegeben wie D. Petersen 44 die speciem facti 45 . Ich habe nicht umhin gekont etwas gegen solche boßheiten, deren jetzo so viel begangen werden, auffzusetzen. Mein auffsatz 46 kommet hiebey, und bitte ich ohnschwer solchen genau durchzusehen u., nach gefallen zu corrigiren. Wird
65 es vor rathsam erkant, wie ich denn nicht sehe, was es verhindere, so möchte auch wünschen, daß in Berlin der druck veranstaltet 47 , und mir nebst etwa 2 oder 300 exemplarien gedruckt wieder zugesant würde. Ist es aber da nicht thunlich oder nicht rathsam, und es wird dennoch beliebet, daß ichs drucken lasse, (denn sonst wil ichs gerne zurück halten) so wolte es hier versuchen,
7o oder einem andern geben. Ich halte aber davor, daß an der Eile hierinnen gar viel gelegen sey.
64 /u./.
dorf/Thüringen, vgl. Matrikel Halle, 226) und [Johann Andreas (?)] Ferber (aus Butzbach/Wetter- au, vgl. Matrikel Halle, 144) aus Halle bei ihm zu Gast gewesen. In der Nacht hätten sie die in der Oberstube versehentlich liegengelassenen, unverschlossenen Brietkopien erneut kopiert und in Halle verbreitet (vgl. D. Ehrius, Warhafftiger Bericht/ Was es eigentlich vor eine Bewandnues habe mit Abschreibung der Brieffe/ die so genante begeisterte Maegde betreffend. Veröffentlicht im Anhang zu Franckes Verantwortung gegen die Beschreibung des Unfugs [s. Brief Nr. 30, Anm. 27] im Jahr 1694, abgedruckt bei Francke, Streitschriften, 214—216).
42 Eigentliche Nachricht von dreyen begeisterten Mägden/ Der Halberstädtischen Cathari- nen/ Quedlinburgischen Magdalenen/ und Erffurtischen Liesen/ Aus Zehen unterschiedenen eingelauffenen Schreiben zusammen getragen von M. August Herman Francken/ der Zeit Pastore zu Glauche vor Halle, o.O. 1692. Tatsächlich waren die Briefe von dem Leipziger Magister Gabriel Christoph Marquart (s. Brief Nr. 49, Anm. 13) veröffentlicht worden (vgl. Francke, Streitschriften, 145).
43 Ehrius erwähnt ebenfalls, daß die Abkürzung „Sp." im Original gar nicht vorkomme (vgl. Francke, Streitschriften, 215).
44 Johann Wilhelm Petersen (s. Brief Nr. 17, Anm. 33).
45 Send=Schreiben an einige Theologos und GOttes-Gelehrte/ Betreffend die FR_AGE Ob GOTT nach der Auffahrt Christi nicht mehr heutiges Tages durch Goettliche Erscheinung den Menschen^Kindern sich offenbahren wolle und sich dessen gantz begeben habe? Sampt einer erzehlten SPECIE FACTI Von einem Adelichen Fräulein/ was ihr vom siebenden Jahr ihres Alters biß hieher von Gott gegeben ist, Frankfurt 1692. Das Werk war 1691 in drei und 1692 in zwei Auflagen erschienen (vgl. Matthias, 383f). — Petersen hatte darin Offenbarungen der Rosamunde Juliane von der Asseburg (s. Brief Nr. 15, Anm. 17) veröffentlicht (s. Matthias, 260f).
4,1 A.H. Francke, Entdeckung der Boßheit/ So mit einigen jüngst unter seinem Nahmen fälschlich publicirten Brieffen von dreyen so benahmten begeisterten Mägden zu Halberstadt/ Quedlinburg und Erffurt begangen, Cölln an der Spree 1692 (Francke, Streitschriften, 141-159; Francke-Bibliographie Nr. C 7.1).
47 Die „Entdeckung der Boßheit" wurde durch Jeremias Schrey und Heinrich Johann Meyers Erben in Berlin verlegt.