Nr. 38 A.H. Francke an Ph.J. Spawr 6. 8. 1692
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Es ist uns ja wohl die Sache hier sehr zu hertzen gangen. Bey mir aber, auff den die erste Schuld des Versehens fället, wircket es viele demüthigung, Vorsichtigkeit, Gedult, eiffer. Endlich Gott richtet seinen Kindern alles zum besten. Nur das hat mich am meisten angegriffen, daß mein theurester 75 Vater und Herr D. Breithaupt 48 , welche ich liebe als meine äugen, hierunter mit leiden müssen, wie auch der liebe Herr D. Brückner 49 . Dubitare tarnen nequeo, quin singulari consilio Dei factum sit.
Herr Cantzler von Jena 50 hat die comission' 1 , wie ich höre, recusiret 52 , Herrn von Seckendorff 53 habe ich copiam gesandt 54 , auff befehl des Herrn 80 Cantzlers. Beyliegende supplic wird mein neues ersuchen zu erkennen geben, 55 wird es vor rathsam erkannt, bitte sie ohnschwer zu übergeben, wo nicht, sie zurück zu behalten, will mir alles gefallen lassen. Nur kan ich nicht anders erkennen, als daß es nöthig sey. Hiemit erlasse der göttlichen Obhut, und verharre 85
Meines theuresten Vaters Gehorsamer Sohn
M. Augustus Hermann Francke.
Glauche an Halle den 6. Aug. 1692.
Die wehrteste Fr. Doctorin 56 grüße hertzlich, und sage im Namen der armen kinder für das übersante 57 dienstlichen danck. Der Herr lasse den Seegen, so 90 aus der lesung der N[euen] Testamenter kommet, auff sie fließen.
48 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).
49 Da hier der Erfurter Kontext eine Rolle spielt, ist vermutlich Georg Heinrich Brückner (s. Brief Nr. 7, Anm. 38) gemeint.
50 Gottfried von Jena (s. Brief Nr. 16, Anm. 11).
31 Am 26.7.1692 war durch kurfürstlichen Befehl eine Kommission zur Schlichtung der Auseinandersetzungen zwischen Francke und seinen Beichtkindern in Glaucha eingesetzt worden (s. Brief Nr. 36, Anm. 7).
32 Gottfried von Jena hatte den Vorsitz der Kommission übernehmen sollen. Seine schriftliche Absage an den Kurfürsten datiert vom 8.8.1692 (GStA PK HA I, Rep. 52, Nr. 159b, 1531-1699, Bl. 329f).
53 Veit Ludwig von Seckendorf (s. Brief Nr. 1, Anm. 4) war neben Kaspar Kreutzing als Mitglied der Kommission vorgesehen.
54 Ein entsprechender Begleitbrief Franckes an von Seckendorf ist nicht überliefert. Aus von Seckendorfs Schreiben an Francke vom 8.8.1692 geht hervor, daß ihm von Jenas Ablehnung zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt war (s. Brief Nr. 39, Anm. 25).
33 Nicht überliefert. Der Kontext legt nahe, daß Francke darum bat, von Jena erneut zur Mitarbeit in der Untersuchungskommission zu bewegen (vgl. das entsprechende Reskript vom 19./29.8.1692 [s. Brief Nr. 41, Z. 5-7 und Anm. 6]).
3 '' Susanne Spener (s. Brief Nr. 15, Anm. 16).
37 Wann Susanne Spener Francke Exemplare des Neuen Testaments oder Geld für den Kauf derselben zur kostenlosen Abgabe an arme Kinder zukommen ließ, ist nicht überliefert. Vermutlich war die Gabe eine Beilage zu einem seit dem 23.7. geschriebenen Brief Speners an Francke (Briefe Nr. 33, 35, 37), denn letzterer hatte in seinem Brief vom 19.7. mitgeteilt, daß er etliche Exemplare des Neuen Testaments von Lüneburg kommen lassen und verschenkt habe. In diesem Zusammenhang hatte er angekündigt, daß er künftig in Glaucha eintreffende Gelder für die Armen für den Kauf weiterer Exemplare des Neuen Testaments verwenden wolle, was gut als eine Bitte um entsprechende Spenden zu verstehen ist (s. Brief Nr. 32, Z. 48—53).