158
Nr. 39 A.H. Rund* an Ph.J. Später [9. 8. (?) 1692/
39. A.H. Francke an Ph.J. Spener
[Glaucha], [09. August (?) 1692]'
Inhalt
Sendet zweite Fassung und Titel der Entdeckung der Bosheit. Die Eigentliche Nachricht ist wohl in Leipzig gedruckt. — Berichtet von abgefangenen und fingierten Briefen. — Christoph Schräder und Christian Nicolai polemisieren in Predigten. — Veit Ludwig von Seckendorfs Mitarbeit in der Untersuchungskommission ist unsicher. — Andreas Luppius hat sein Gesangbuch u.a. Spener gewidmet.
Uberlieferung
A: AFSt/H D 68: 224 [unvollständig] D: Kramer, Beiträge, 244-245
Teurester Vater in Christo,
Mein jüngstes 2 wird nebst beylagen 3 verhoffentlich wohl bestellet seyn. Ob nun wohl dero resolution wegen meines letzten auffsatzes 4 noch nicht weiß, sende doch denselben hiebey noch einmahl mit einiger Veränderung und zu-
5 satz, und übergebe es auch dero reiffen überlegen ob es also zu drucken sey oder nicht, sonderlich wenn es noch zeit wäre, und nicht im druck des vorigen schon zu weit avanciret worden. Im fall mir auch das vorige wieder zurückgesendet würde, habe die copiam auch von diesem hier behalten, daß es unseumig, wenn und wie es für rathsam erkant worden, zum druck befordern
10 könte. Von Leipzig schreibet man 3 , es sey zu Halle gedruckt 6 , von Halle 7 es sey zu Leipzig gedruckt und habe ich 4 zeugen 8 , daß der hiesige buchführer 9 gesaget, es komme aus dem Lanckischen buchladen' 0 . Einmahl ist es ja ein
1 Da der Schluß des Briefes fehlt, muß das Datum aus dem Inhalt und der Brieffolge geschlossen werden: Francke hat Speners Antwort vom 9.8.1692 (Brief Nr. 40) auf seinen Brief vom 6.8.1692 (Brief Nr. 38) noch nicht erhalten. Man kann also von einer Kreuzung von Speners Antwort mit diesem Brief und wegen der Posttage (s. Brief Nr. 20, Anm. 1) sowie wegen des erwähnten Sonntags und Montags (s. Z. 23) von der Abfassung dieses Briefes am Dienstag, 9.8.1692, ausgehen.
2 Brief Franckes vom 6.8.1692 (Brief Nr. 38).
3 Francke hatte Spener ein Exemplar der Eigentlichen Nachricht, den Entwurf zur Entdeckung der Bosheit und eine Supplik an den Kurfürsten (s. Brief Nr. 38, Anm. 42, 46 u. 55) beigelegt.
4 S. Brief Nr. 38, Z. 63-71.
5 Nicht überliefert.
6 Gemeint ist die Eigentliche Nachricht (s. Anm. 3).
7 Nicht überliefert.
8 Nicht ermittelt.
9 Wohl Simon Johann Hübner (s. Brief Nr. 23, Anm. 10; vgl. Brief Nr. 22, Anm. 8).
10 Friedrich II. Lanckisch, Erben, Verlagsbuchhandlung in Leipzig, die eine führende Rolle u.a. bei der Produktion von Streitschriften für die orthodoxe Seite einnahm. — Nach dem Tod des Vaters, Friedrich II. Lanckisch (1618-1667), wurde der Verlag offenbar von dessen Witwe,