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Nr. 44 A.H. Francfee an Ph.J. Später 20. 8. 1692

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In meinem jüngsten 27 habe wieder meinen willen vergessen von dem abermahligen Zufall des lieben Maximilians 28 zu berichten. Weil sichs zu einem gefährlichen Fieber anließ, und propter medicos et reliquam curam nicht hinlängliche anstalt schiene zu seyn, wurden wir rathen, Ihn nach Leipzig an seinem guten Tage zur Frau Schwester 29 bringen zu lassen welches wir auch durch einen guten Freund 3 " gethan. Aber Herr Laurentius 31 , der ihn überbringen solte, und sich selbst schon vorhin auch geklaget wie es scheinet ex aliquo contagio, in dem er sehr nah um ihn gewesen, ward selbst starck befallen, und hat nun täglich einen sehr starcken paroxysfmum] 32 , daß wir nicht wissen, ob ihm der Herr sein leben ann[och] verlängern werde. Von Leipzig aus hoffe, es werde schon weitere Nachricht eingelauffen seyn. 33

Was wegen Herrn D. Bilefelden 34 sollen beygeleget werden 35 , wird viel­leicht seyn liegen blieben. Soll mir aber sehr lieb seyn.

Was wegen eines studfiosi] Johann Melch[ior] Krafften 36 erinnert worden zu zweyenmahlen 37 soll wol beobachtet werden. Der Herr Jesus walte über meinen theuresten vater und über alle, die ihn lieben. Verharre

Meines theuresten vaters Gehorsamer Sohn

M. Augustus Hermann Francke.

Glauche an Halle den 20. Aug. 1692.

60 paroxysfmum]: cj. 61 ann[och]: cj.

keine als stantes, weshalb er von allen eine Reue fordere, wie David sie nach seinem Fall getan habe; 3. er sehe Zweifel und „halbe Verzagung" (43) als ein gutes Werk an; 4. er lehre, man könne das Gesetz äußerlich und innerlich halten; 5. er lehre, wenn der Mensch einige Male wider das Gewissen gesündigt habe, „habe er weiter keine Vergebung" (46). Zu letzterem Punkt bemerkt er, Francke solle sich erinnern, „wie ihm damahls Herr D. Breithaupt und der Herr Conrektor wider­sprochen haben" (ebd.). Auch könne es sein, daß Francke sich in diesem Punkt bereits geändert habe oder zu Hause anders lehren müsse als öffentlich (ebd.). — Rotth geht es also nicht um eine einzelne Begebenheit im Collegium biblicum, sondern um ein grundlegend anderes Verständnis von Sünde, Buße und Bekehrung und im Kern um die Auseinandersetzung mit der bei Francke erkennbaren Auffassung, „daß Wiedergebohrene das Gesetz halten koennen/ [...]" (52).

26 Vgl. Ps 37,5b.

27 Franckes Brief vom 16.8.1692 (Brief Nr. 42).

28 Christian Maximilian Spener (s. Brief Nr. 21, Anm. 8).

29 Susanna Katharina Rechenberg (s. Brief Nr. 37, Anm. 38).

30 Nicht ermittelt.

31 Georg Michael Laurentius (s. Brief Nr. 32, Anm. 43).

32 Als Paroxysmus (von rtapo^üv« = schärfen / vergrößern) bezeichnete man die in regel­mäßigen oder unregelmäßigen Anfällen z.B. von Fieber sich äußernde Entstehung eines Krank­heitsbildes (Zedier 26, 1014).

33 S. Brief Nr. 46, Z. 31f und Anm. 12.

34 Johann Christoph Bielefeld (s. Brief Nr. 30, Anm. 24).

35 S. Brief Nr. 43, Z. 40f.

36 Johann Melchior Krafft (s. Brief Nr. 41, Anm. 27).

37 Spener hatte auf den Studenten Krafft in seinen Briefen vom 13. und 16.8. (Briefe Nr. 41, Z. 45-49 u. Nr. 43, Z. 28-35) hingewiesen.