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Nr. 46 PhJ. Später an A.H. Francke 23. 8. 1692
46. Ph.J. Spener an A.H. Francke
Berlin, 23. August 1692
Inhalt
Die Entdeckung der Bosheit ist im Druck. — Veit Ludwig von Seckendorfs Bericht aus Glaucha ist eingetroffen. Hält eine Untersuchungskomniission für unumgänglich. Propst Franz Julius Lütkens könnte als Theologe in der Kommission doch geeignet sein. — Hat aus Leipzig Nachricht wegen Christian Maximilian Spener.
Uberlieferung
A: AFSt/H A 125: 18
D: Kramer, Beiträge, 253-255; Tholuck 2, 4-5
Göttliche gnade und heil mit allem was uns unser Jesus worden ist. In demselben hertzlich geliebter Bruder.
Dieser erste bogen ist das zeugnus, daß die Verantwortung getruckt werde 1 , und weil es nur noch etwa anderthalb bogen gibt, wirds hoffentlich über- 5 morgen fertig sein: und sende ich dann alsobald 150 exemplar, 50 aber behalte hier, in deßen nahmen hier außzutheilen. Der Herr laße es nicht ohne frucht bleiben.
Herr v. Seckendorff 2 hat seine relation 3 eingesandt, und zwahr sehr favora- bel, wie auch die vorschlage sehr christlich und zulänglich zu sein scheinen 4 . 10 So ists bey mir auch ein außgemachte sache, das ohne eine gründliche under- suchung, darzu eine dergleichen ansehnliche commission allerdings nötig, unmüglich eine beständige ruhe zuwege zubringen, oder deßen u. Herrn D. Breithaupts'' Unschuld an den tag zulegen: Alle andre mittel sind curae
13 | D. |.
1 Der erste gedruckte Bogen der Entdeckung der Bosheit (s. Brief Nr. 38, Anm. 46).
2 Veit Ludwig von Seckendorf (s. Brief Nr. 1, Anm. 4).
3 Von Seckendorfs Bericht von der Situation in Glaucha bzw. Halle vom 19.8.1692 (s. Brief Nr. 44, Anm. 7).
4 Von Seckendorf begründet zweifach, weshalb Francke in den Auseinandersetzungen mit seinen Beichtkindern keine Schuld zukomme: Zum einen habe er nach der entsprechenden Bestimmung der Magdeburger Kirchenordnung (vgl. Brief Nr. 28, Anm. 6) gehandelt; zum anderen mußte er die Auseinandersetzungen, die Zeitverzug und Ärgernisse mit sich brachten, am Tag der Beichte führen, weil eine vorherige Anmeldung zur Beichte — und damit die Gelegenheit zur Klärung der aus Franckes Sicht problematischen Fälle im Vorfeld - in Glaucha nicht üblich sei. Seckendorf macht zudem auf die gleichzeitig ablaufenden Auseinandersetzungen Franckes mit der Halleschen Stadtgeistlichkeit aufmerksam, wodurch er entscheidend die Materie beeinflußte, der sich die Untersuchungskommission dann widmete (vgl. Lotze, 62-65; zum Fortgang der Angelegenheit vgl. Brief Nr. 49, Anm. 19).
5 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).