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Nr. 59 Pli.J. Später an AM. Francke 29. 11. 1692
werden läßet. Indeßen ist der so alles regiret heilig und gerecht in allem was er thut und verhenget.
Auß Hannover habe ich, das nun Herr Lüders 27 abt zu Michelstein 28 de-
50 clarirt worden seye, 29 so als ein neues publicum testimonium seiner Unschuld angesehen werden mag. 30 Der Herr laße sie bey ihm und allen andern, an denen sie verdunckelt werden wollen, immer mehr und mehr öffentlich durchbrechen. Im übrigen bitte, wo derselbe etwas höret, wie diejenige so Herrn Wolthers 31 aestimiret, mit meiner vorrede von dem mißbrauch des
55 Evangelii 32 zufrieden seyn oder nicht: Als worauß etwa abzunehmen wäre, wiefern er deßen schuldig oder nicht schul[d]ig, deßen er in verdacht gezogen worden. In Hamburg hat er gesagt, das er sich von den Pietisten gethan, weil dieselbe das verdinst Christi schmälerten, u. eine eigne gerechtigkeit auff- richteten. Es wird sich aber endlich noch deutlich geben müßen. Hiemit in
60 göttliche treue gnade u. obhut empfehlende verbleibe Meines geliebten bruders zu gebet u. liebe williger Ph[ilipp] J[acob] Spener D. Mppria
Berlin den 29. Nov. 1692.
Herrn D. Breithaupten grüße ich freundlich in dem Herren
65 Herren Herren M. August Hermann Francken Profjessori] publfico] Lingfua- rum] Graecae et orientfalium] und treueyffrigen pastori der gemeinde zu Glauche vor Halle
Halle
Franco
56 schul[d]ig: cj.
27 Justus Lüders (s. Brief Nr. 7, Anm. 18).
28 Das Kloster Michaelstein im Fürstentum Blankenburg/Harz wurde als Zisterzienserkloster 1152 gestiftet. Im Zuge der Säkularisierung wurde es 1648 den Herzögen von Braunschweig unterstellt; diese vertrauten jeweils einem Superintendenten mit dem Prädikat eines Abtes die Inspektion über die im 16. Jahrhundert im Kloster errichtete Schule an (Zedier 21, 61).
29 Ein entsprechendes Schreiben an Spener läßt sich nicht nachweisen. Lüders wurde dann aber nicht Abt von Michaelstein (s. Brief Nr. 61, Z. 61-65 ; vgl. Pfarrerbuch Braunschweig 1, 3: die Series des Klosters Michaelstein verzeichnet zwischen 1677 und 1702 keinen Abt).
30 Lüders war aus seinem Amt als Hofprediger in Wolfenbüttel entlassen worden, weil er das Dekret gegen den Pietismus vom 9.3.1692 nicht unterschrieben hatte (Jakubowski-Tiessen, Niedersachsen [s. Brief Nr. 7, Anm. 17], 432).
31 Christian Theodor Wolters (s. Brief Nr. 16, Anm. 20).
32 Gemeint ist Speners Vorrede vom 8.8.1692 zu dem Predigtband Die Seligkeit Der Kinder Gottes, Frankfurt 1692, in der er sich mit Wolters antinomistischen Auffassungen auseinandergesetzt hatte, ohne dessen Namen zu nennen (s. Brief Nr. 37, Z. 25-40 und Anm. 20).