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Nr. 66 Ph.J. Spciwr an A.H. Fmticke 24.12.1692

hat. Was wir aber nach unsrem menschlichen hoffen noch von demselbigen

20 gewünschet hätten, wolle er selbs durch andre, die seine weißheit bestimmet hat, laßen außgerichtet werden. Wie er dann alle zeit sein werck zuführen weißt 6 , u. weder unsers raths noch hülffe bedarfF.

Im übrigen möchte wißen, ob geliebter Bruder mein letztes von dem Sonnabend 7 , so ich mehrer Sicherheit wegen an Herrn v. SeckendorfF einge-

25 schloßen hatte, empfangen habe. Es hat seither Herr Cammer R[athj Kraut 8 hieher geschrieben 9 , weil die leute von Calb so hertzlich denselben ver­langten, das er mit solcher vocation auch wol zufrieden seye. Nun habe deßen vorige brieffe, auch noch der von der vorigen post 10 (dann ich von der letzten, so mich gewundert, nichts erhalten 11 ) gar ein anders bezeuget.

30 Daher sehr verlange, wie deßen gemüth jetzt in solcher sache stehe, oder wohin es von Gott gelencket werde. 12 Einiger minister 13 ist in der meinung, wo geliebter Bruder es untherthenigst deprecirte und bey seiner jetzigen gemeinde zu bleiben verlangte, sonderlich da die gemeinde beweglich ein­käme, und um deßen behaltung supplicirte 14 , so werde er nicht wider willen

35 weggenommen werden: andre wollen aber doch nicht versichern, das nicht die andern rationes praeponderiren möchten. Ich wünsche selbs hertzlich, hierinnen des göttlichen willens gewiße Versicherung. Zu Halle stehet vor das bleiben die liebe der gemeinde; und gelegenheit bey der universitet gutes außzurichten. Vor Calb, das auch daselbs ein verlangen nach seinem dienst,

4o so deswegen eine gute anzeigung ist, weil sie gleichwol soviel widriges gegen denselben gehöret, und doch denselben suchen, das er möchte freyere hände haben, da er selbs Superintendent] wäre, u. die inspection über 30 pfarrer: welches dann solche momente, die auch nicht zu verachten. Solte nun ge­liebter Bruder endlich sein gemüth dahin neigen, oder aber der obern wille

45 ihn auch wider willen dahin senden, so hielte gut zu sein, zubegehren 1. daß er noch einige monate etwa biß Ostern oder Pfingsten bey seiner gemeinde bliebe, damit soviel öffentlicher kund würde, das die Versetzung nicht zur

38 /das bleiben/ : (denselben).

6 Als Form für 3. Person Singular spätmittelhochdeutsch, bis ins 18. Jh. erhalten (vgl. DWB 30, 748).

7 Speners Brief vom 17.12.1692 (Brief Nr. 63).

8 Christian Friedrich von Kraut (s. Brief Nr. 13, Anm. 4). Nicht überliefert.

10 Franckes Brief vom 17.12.1692 (Brief Nr. 62).

" Franckes Brief vom 20.12.1692 (Brief Nr. 64), der Spener offenbar noch nicht erreicht hatte.

12 Der neueste Bericht Franckes in der Sache seiner Versetzung (24.12.) kreuzte sich mit der vorliegenden Anfrage Speners (Brief Nr. 65, Z. 3-13).

13 Nicht ermittelt.

14 Eine entsprechende Eingabe hatte die Glauchaer Gemeinde am 21.12.1692 bereits verfaßt (s. Brief Nr. 64, Anm. 18).