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Nr. 82 PhJ. Später an A.H. Fnmcke 20.5.1693
Mayn 15 nicht auch die communication hemmet. Wie er mir geschrieben,
40 so auch communicirt, so ist die relation pur falsch. Er schrieb, seye über 15 wochen nach der hochzeit in Sachsen geblieben, und in vier monat damal bereits in Darmstatt, so seye die hausfrau noch unentbunden 16 , nun sind 3 monat bereits 13 wochen, mit den vorigen 15 aber 28 wochen, da ja in dem vierdten damal noch nicht nur einige tage, sondern vielmehr wochen, müßten vorbey
45 geweßt sein. Wiewol auch in der 29. wochen alß gegen ende des 7. monden, die partus legitimi geachtet werden: und ich habe eine frau gekant, die ihre meiste kinder in dem 7. monden gebohren zu haben persuadirt war.
Herr Köhler 17 komt einem andern Herrn Köhler, so von Wolfenbüttel hiehergekommen 18 , und nun krank liget, zu hülffe in seiner informati-
50 on. Ich will ihm aber das angedeutete 19 hinterbringen. Der Freulfein] von Rücksleben ungemach 20 ist mir sehr leid: der Herr erhalte in ihr selbs, was er angefangen, und menschen etwas zu deßen stärckung zuthun verwehret ist, zum zeugnus, das er an menschen nicht gebunden seye, und sein werck ohne uns fortzusetzen verstehe. Wir wollen indeßen soviel hertzlicher ihr
55 vor Gott gedencken: wie auch der Frau Pröpstin von Quedlinburg 21 , dero gute neigung mich sovielmehr freuet, alß ich dero Frau Schwester 22 vor dem aestimiret habe. Möchte wißen, obs die Schwester seye, die Herr Echlitius 23 bey ihr informiret, wo dieses wäre, so gedächte, das das feuer oder funcken
41 /damal/.
15 Das Wiederaufflammen des Orleansschen Erbfolgekrieges (1688—1697) seit dem Frühjahr 1693, im Zuge dessen französische Truppen am 7./17.5. den Rhein überquert und am 13./23.5. Heidelberg eingenommen hatten (B. Erdmannsdobrffer, Deutsche Geschichte vom Westfälischen Frieden bis zum Regierungsantritt Friedrichs des Großen 1648—1740, Bd. 2, Berlin 1893 [Allgemeine Geschichte in Einzeldarstellungen 111.7], 23—27. 61fF; J.Ph. Abelin, Theatrum Eu- ropaeum, oder außfuehrliche und warhafftige Beschreibung aller und jeder denckwuerdiger Geschichten, so sich [...] zugetragen haben, Bd. 14: 1691-1695, Frankfurt a.M. 1702, 446-461).
16 Zum Gerücht um den vorehelichen Geschlechtsverkehr Bielefelds vgl. Brief Nr. 81, Anm. 20.
17 [Christian (?)] Köhler (s. Briefe Nr. 21, Anm. 12 und Nr. 79, Anm. 22).
18 Nicht ermittelt.
" S. Brief Nr. 81, Z. 60-64.
211 Zu von Rücksleben s. Briefe Nr. 80, Anm. 8 und Nr. 81, Z. 65-69.
21 Magdalena Sophia von Schleswig-Holstein-Oldenburg (s. Brief Nr. 73, Anm. 10).
22 Sophie Elisabeth von Sachsen-Zeitz (4.5.1653-19.8.1684), geb. in Homburg vor der Höhe (Bad Homburg) als Tochter Herzog Philipp Ludwigs von Holstein-Sonderburg-Wiesenburg, von wo aus sie die Collegia in Frankfurt besuchte; 1676 vermählt mit Herzog Moritz von Sachsen- Zeitz, verwitwet 1681 (Zedier 13, 666; Koch 4, 221; Grüneerg 3, 399; Stolberg Nr. 19577; vgl. Spener, Frankfurter Briefe 1, Brief Nr. 139).
23 Wohl Christian Gottfried Echlitius (Eichler) (1652-29.1.1721), geb. in Allstedt/Helme bei Sangerhausen; 1672 Studium in Jena, dann Informator am Hof in Zeitz; 1680 Pfarrer in Langenaue bei Zeitz, 1682 Diakon an St. Nicolai in Zeitz, 1686 Diakon an St. Michaelis ebd.; 1689 Superintendent in Weida; ab 1690 Pfarrer an St. Michaelis, ab 1696 Konsistorialassistent und ab 1700 Stiftssuperintendent in Zeitz (DBA 264, 78f; Matrikel Jena 2, 225; Pfarrerbuch KPS 2, 428).