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Nr. 99 PhJ. Spener an A.H. Francke 9. 3. 1695
zimlichen theils vermieden zu werden, wenn das vorhaben nach der obschrifft dahin allein wäre gerichtet worden, vieler nicht eben nach dem grund recht verstandener spräche zurechtstellung; da alßdann zwahr diejenige, dero ungleicher und unvollkommener verstand von der version veranlaßt worden, wol die meiste sein können, aber andre, wo man bey der dolmetschung völlig bliebe u. sie lobte, welche aber durch andre gelegenheit nicht wol verstanden würden, mit untermischet werden müßen. Auff solche art hoffte ich, solte wenig dargegen zusprechen gewesen sein. Wie mans einem prediger frey laßet, das er offters bey gelegenheit seines textes die dolmetschung beßert, darüber sich nicht leicht jemand stoßet: da hingegen, wo einer außtrücklich predigten von lauter solchen texten halten, und solch vorhaben notificiren wolte, solches nicht wol ohne anstoß ihrer vielen abgehen würde. Ob aber nach gemachtem anfang sich noch etwas ändern laße, weiß ich nicht, sondern stelle es zu fernerem Christlichen ermeßen. Laßet uns indeßen glauben, es seye, zu jetziger zeit sonderlich, dieses eine der vornehmsten reglen Christlicher klugheit, das wir nichts des befohlenen u. außzurichten müglichen guten underlaßen, und doch soviel von demselben ohne abgang der sache selbs das ungleiche urtheil der weit und obschwebender widerstand abgewendet werden kan, deßen nichts versäumen: da wir nachmal wo wir dieses gethan, was der Herr dannoch verhenget, so viel williger u. getroster angehen.
In dem übrigen habe in solchem monat Januario 15 , außer dem noch weiter nichts gesehen, nichts gefunden, darvon was die sache selbs anlangt, erinnrung nötig wäre. Der Herr wende alles zu seiner Wahrheit preiß. Der Frau Liebsten gesegnete u. fröliche entbindung 16 wünschen wir bald zu vernehmen: der Gott der krafft, so uns auß mutterleib ziehen muß, stehe ihr in solcher soviel schwehrern als ersten arbeit desto kräfftiger bey, das wir ihn auch über seine güte und Wahrheit, sie aber beiderseits vor den absonderlich ihnen geschenckten ehesegen, danckbarlich preisen.
Das längere außbleiben meines Evangelischen] glaubenstrostes 17 kommt her auß Herrn Zunners 18 (auff welchen zwahr hinwiderum das größte des Schadens redundiret) übler bestellung der exemplarien nach Leipzig 19 , dann
40 /können/. 42 /müßen/. 60 ihr ] + (in).
5 5 Die Januar-Ausgabe der Observationes.
16 Anna Magdalena Francke (s. Brief Nr. 81, Anm. 24) war zu diesem Zeitpunkt bereits in der 40. Schwangerschaftswoche (vgl. Brief Nr. 98, Z. 51—53); am 14.3. wurde August Gottlieb Francke (gest. 27.12.1695) geboren (PfA Glaucha, Taufregister 1637—1701, 487; Sterberegister 1637-1701, 295).
17 PhJ. Spener, Der evangelische Glaubenstrost (s. Brief Nr. 95, Anm. 14).
18 Johann David II. Zunner (gest. 1704), seit 1665 Buchhändler und Verleger in Frankfurt, seit 1700 zudem Universitätsbuchhändler in Duisburg; bedeutendster Verleger von Erbauungsliteratur in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts (Paisey, 298; Brecht, Spener, 286. 302; Gierl, 345-349).
19 Vgl. Brief Nr. 95, Z. 72-79.