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Nr. 99 Ph.J. Später an A H. Francke 9. 3.1695

vor 2 jähren ein expectativ decret von dem Statthalter dem Fürsten von An­halt 31 erhalten hatte 32 , da es nun zur that kommen sollen, und er mit seiner ungelegenheit hier warten müßen, lähr außgegangen. Das päcklin habe, weil an Herrn von Wobeser 33 schreiben mußte, auff der post fortgesandt. 34 Hoffe, wo gel[iebter] Bruder noch etwa nechsthin etwas dergleichen vor ihn dienliches erfahren solte, er des guten Menschen an ihrem ort gedencken werde: deßen Sfeliger] Vater 31 ' es gewiß rechtschaffen gemeint, die mutter 36 auch treulich an Gott zu halten sucht, nicht weniger dem Sohn vor sein alter ein sehr rühmliches zeugnus gegeben wird. Vor die wegen meiner frauen 37 auß veranlaßung des Herrn Obr[isten] von Pfuhl 38 gehabte bemühung 39 sage freundlichen danck. Der Mann thut nicht recht, welcher die ihm erzeigte freundschafft so undanckbar vergilt. Von meinem doppelten kummer, eines- theils was hier anlangt wegen der durch Herrn Zeitzen 40 (dem das zeugnus geben kan, das er gegen mich u. Herrn M. Schaden 41 nie kein ungleich wort oder mine gebraucht) seligen todt nechst entstandener vacanz, andern theils bey ihnen wegen Herrn Thomasii 42 habe mit mehreren an Herrn D. Breit-

92 /gehabte/ : (verlegte(?)).

Informator in Nese bei Grabow in Mecklenburg war; er bat Francke und Breithaupt 1697 um Übernahme des Patenamtes für seinen Sohn Justus August Christian (vgl. Johann Bernigerodt an Francke, Nordhausen, 7.7.1693, und Nese, 3.1.1698, AFSt/H F 14, Bl. 378-380).

31 Johann Georg II. von Anhalt-Dessau (7.11.1627-17.8.1693), geb. in Dessau; seit 1658 Statt­halter in der Kurmark Brandenburg, seit 1668 regierender Fürst von Anhalt-Dessau und seit 1670 kurbrandenburgischer Generalfeldmarschall (DBA 26, 319-324; II 33, 44f; Zedier 7, 661).

32 Nicht ermittelt.

33 Jakob Wotislaw Graf von Wobeser, Patronatsherr der Pfarre in Zirchow/Hinterpommern (Wotschke, Pommern 1,31; Hinrichs, 180; Blaufuss, 142. 165f; R. Motu, Begeisterung und Ernüchterung in christlicher Vollkommenheit. Pietistische Selbst- und Fremdwahrnehmungen im ausgehenden 17. Jahrhundert, Tübingen 2004 [Hallesche Forschungen, Bd. 14], 47).

34 Es handelt sich um eine Sendung an Philipp Christoph Zeise in Zirchow in Hinter­pommern (s. Brief Nr. 79, Anm. 14), die Francke seinem Brief vom 16.2.1695 mit der Bitte um Weitersendung beigelegt hatte (s. Brief Nr. 98, Z. 7-9).

33 [Georg Daniel (?)] Koschwitz sen. (s. Brief Nr. 22, Anm. 46).

36 Nicht ermittelt.

37 Susanne Spener (s. Brief Nr. 15, Anm. 16).

38 Georg Ehrenreich von Pfuel (s. Brief Nr. 85, Anm. 3).

39 S. Briefe Nr. 96, Z. 24-47 und Nr. 98, Z. 45f.

40 Johann Georg Zeitz (23.7.1647-27.2.1695), geb. in Berlin; 1667 Studium in Jena, 1669 Subrektor in Frankfurt/Oder, 1671 Konrektor in Neuruppin, 1675 Subrektor am Köllner Gymnasium in Berlin; 1680 Diakon in Spandau, 1685 an St. Nikolai in Berlin, 1691 Archidiakon ebenda (Matrikel Jena, 919; Pfarrerbuch Brandenburg 2/2, 991).

41 Johann Caspar Schade (s. Brief Nr. 19, Anm. 12).

42 Spener spielt hier auf Auseinandersetzungen zwischen Christian Thomasius (s. Brief Nr. 8, Anm. 20) und den Hallenser Professoren an, die seit längerer Zeit schwelten und grundsätzlicher Natur waren. Die Kritik der Professoren nicht nur der theologischen Fakultät betraf Thomasius' Konzeption einer Metaphysik (vgl. Thomasius, Historia sapientiae et stultitiae, Halle 1693, 108ff, und Dissertatio ad Petri Poireti libros, [1694]). Spätestens im Februar 1695 waren diese Ausein­andersetzungen vor die Berliner Regierung gelangt. Diese erreichte durch Mahnungen zur Einig-