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Nr. 110 Ph.J. Spater an A.H. Francke 19.10.1695

Die monate betreffend, habe ich an Majo u. Junio 29 alles vergnügen gehabt, und bitte hertzlich das Gott ferner das werck reichlich segnen wolle. Was

85 darzu dienlich sein könte, finde nichts, das ich in meiner bibliothec hätte: den ich achte, geliebter Bruder habe D. Raithii 30 vindicias 31 selbs, sonsten könte dieselbe communiciren. Herrn proffessoris] Dassovij 32 beschwehrungs- schreiben 33 habe gesehen, vielleicht aber hat ers thun müßen. Die lectiones catecheticas habe mit fleiß und mit freuden gelesen. 34 Würde gern etwas mit

90 beygetragen haben: aber ich habe vor mich nicht einmal soviel observiret gehabt, noch bin so weit gekommen, geschweige das etwas weiter anfügen hätte könen, als das das werck mit hertzlichem wünsch vieles segens begleite: wie auch daran nicht zweiffle. Was durch die unterschiedliche excipientes in confession gebracht, wird sich in der elaboration selbs geben: im übrigen

94 confession ] confusion: D.

29 Die Mai- und Juniausgabe der Observationes biblicae (s. Brief Nr. 98, Anm. 20), in denen Francke unter dem TitelWarhafftiger Bericht von Denen bishero Monatlich herausgegeben Ob- servationibus biblicis, [...] Dem bisherigen so muend= als schriftlichen Widerspruch entgegegen gesetzet" seine von Januar bis April erschienenen Observationes verteidigt hatte.

30 Balthasar Raith (8.10.1616-5.12.1683), geb. in Schorndorf in Württemberg; 1635 Studium in Tübingen (Magister), 1649 Pfarrer und Spezialsuperintendent in Derendingen; 1656 ao. Prof. theol. in Tübingen und Dr. theol., 1660 o. Prof. theol. und Stadtpfarrer, 1662 Dekan der Kirche und Oberattendent der fürstlichen Stipendien (DBA 996, 54-59; ADB 27, 190-191; Jöcher 3, 1883; EB 6, 1273-1275).

31 B. Raith, Vindiciae Versionis S. Bibliorum Germanicae B. D. Martini Lutheri labore edita, a malevola censura & iniquis vellicationibus, non Pontificiorum solum, qui eam primitus ex pro- fesso oppugnarunt, sed etiam aliorum sciolorum temerariis correctionibus passim hactenus obiter agendo factis ope fontium Hebraeorum [...] et Graecorum [...] paratae [...], Tübingen 1676.

32 Theodor Dassov (27.3.1648-6.1.1721), geb. in Hamburg; 1669 Studium in Gießen (1672 Magister), 1673 in Wittenberg, 1676 Adjunkt der philos. Fakultät ebd., 1678 o. Prof. der Poesie, ao. Prof. der orientalischen Sprachen, 1690 o. Prof. ebd.; 1699 Lic. theol. und Pastor primarius, o. Prof. theol. und der orientalischen Sprachen in Kiel; 1709 Oberkonsistorialrat und Generalsuper­intendent in Holstein sowie Propst in Rendsburg (DBA 222, 268-285; ADB 4, 762; Jöcher 2, 36f; Matrikel Wittenberg, 85).

33 T. Dassov, Ad Virum [...] Aug. Hermannum Francke, [...] De suisjeremiam & Hoseam recitationibus ab ipso allegatis, Amica Epistola, Wittenberg 1695. - Dassov beschwerte sich in seiner Schrift darüber, daß Francke ihn in der Juli-Ausgabe seiner Observationes biblicae (s. Anm. 29) als Zeuge für seine Position angeführt hatte.

34 Francke hatte Spener möglicherweise das Manuskript zu ,,M. Johann Hieron. Wieglebs [...] erbaulicher Unterricht Vom Rechten Grund und Gebrauch des Catechismi Lutheri/ Aus der Heil. Schrifft/ Luthero selbst und den Symbolischen Buechern gezeiget; sampt einem Trac- taetlein/ in einer Haupt=Summa die Oeconomie GOttes im Werck des Heyls und die Ordnung der Glaubens=Artickel vorstellend. Mit Vorreden zum Druck gegeben von M. August Hermann Francken", Halle [1697] (Francke-Bibliographie Nr. K 4.1), zugesandt. Wie aus den folgenden Zeilen hervorgeht, hatte Francke u.a. Spener um einen Beitrag zu dem offensichtlich als Gemein­schaftswerk mehrerer Autoren über den Katechismus konzipierten Buch gebeten.