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Nr.UO Ph.J. Später an A.H. Francke 19.10.1695
105 stücken seine krafft in dem was er durch seine knechte thut durchtringen, so wir zu seiner gute auch hoffen.
Daß im übrigen geliebter Bruder von dem Chiliasmo nunmehr erkantnus habe, hat mir bereits Herr D. Petersen, als er hier war 41 , nachricht gegeben, auch obenerwenter Herr Henrich gesagt, als er denselben in Erffurt besucht 42 ,
110 hätte er ihn in der Versammlung gefunden, das sie Apoc. 20. vorgehabt: ob aber geliebter Bruder es in allem mit Herrn D. Petersen halte, oder nur zum theil, möchte wißen. 43 Ich bitte auch Gott hertzlich, der darinen weißheit geben wolle, zuerkennen sowol die Wahrheit, als wem, wann und auff was weise dieses stück derselben bey andern vorzutragen seye. In unsren gemeinden
115 achte ich haben wir fast lauter leute, denen wir nichts mehr als Christum den gecreutzigten, in büß u. glauben, vorzupredigen, 44 und biß dieses recht ver-
114 /bey andern/. 116 und ] + (ihnen(?)).
nach den Angaben des Waisenalbums zudem bereits sieben unversorgte (nicht immer Waisen-) Kinder gegen Bezahlung zur Erziehung an Familien vermittelt; diese wurden von Georg Heinrich Neubauer (s. Brief Nr. 152, Anm. 10) unterrichtet (zum gesamten Abschnitt vgl. A.H. Francke, Historische Nachricht/ Wie sich die Zuverpflegung der Armen und Erziehung der Jugend in Glaucha an Halle gemachte Anstalten veranlasset/ eines aus dem andern gefolget/ und das gantze Werck durch Goettlichen Segen von An. 1694. biß A. 1697. im Monath Junio fortgesetzet und eingerichtet sey [...], [Frankfurt/Oder] 1697 [Francke-Bibliographie Nr. F 1.1.], 8-23; ders., Die Fußstapffen Des noch lebenden und waltenden liebreichen und getreuen GOTTES/ Zur Beschämung des Unglaubens/ und Stärckung des Glaubens/ Durch den Ausführlichen Bericht Vom Wäysen-Hause/ Armen-Schulen/ und übriger Armen-Verpflegung Zu Glaucha an Halle / [...], Glaucha 1701 [Francke-Bibliographie Nr. F 16.1], 5-15; Annales, 386; „Man hatte von ihm gute Hoffnung [...]". Das Waisenalbum der Franckeschen Stiftungen 1695-1749, hg. J. Jacobi u. Th.J. Müller-Bahlke [Hallesche Quellenpublikationen und Repertorien, 3], Halle 1998, 1. 279; P. Weniger, Anfänge der „Franckeschen Stiftungen". Bemerkungen zur Erforschung der Geschichte der Glauchaschen Anstalten in ihrem ersten Jahrzehnt, in: PuN 17, 1991, 95-120).
41 Wann Johann Wilhelm Petersen (s. Brief Nr. 17, Anm. 33) Spener besuchte, wurde nicht ermittelt.
42 Gottfried Heinrich (s. Anm. 10) hatte Francke offenbar während dessen Besuch in Erfurt im Frühjahr 1695 (s. Brief Nr. 108, Anm. 1) aufgesucht.
43 Mit dieser Frage eröffnete Spener eine Diskussion um den Chiliasmus, in deren Verlauf sich deutliche Divergenzen zwischen den Positionen Franckes und Speners herausstellten. Im Gegensatz zu Francke teilte Spener die sich auf das gesamte Kapitel Apk 20 stützenden Ansichten Petersens, die detaillierte Überlegungen zum Zustand der Seelen nach dem Tod (vgl. Anm. 47) und die Lehre von der Apokatastasis panton einschlössen, und darin von Jane Leade (1624—1704) beeinflußt waren (vgl. Schneider 1, 404f), nicht. Spener vertrat unter Bezug auf Apk 20,4f. 8f dagegen nur ein tausendjähriges Reich Christi und seiner Heiligen auf Erden vor dem Jüngsten Gericht und den Einfall Gogs und Magogs am Ende der 1000 Jahre und hielt weitergehende Überlegungen für hypothetisch, weil sie biblisch nicht klar belegbar seien (LBed. 1, 17. 259-261; 3, 557. 662f. 684. 719. 744; Cons. 3, 274. 388ff. 724ff. 740ff; Grünberg 1, 304. 502 u.ö.; vgl. Briefe Nr. 114, Z. 40-48, Nr. 115, Z. 3-28, Nr. 116, Z. 14-25 und Nr. 122; F. Groth, Die „Wiederbringung aller Dinge" im württembergischen Pietismus. Theologiegeschichtliche Studien zum eschatologischen Heilsuniversalismus württembergischer Pietisten des 18. Jahrhunderts, Göttingen 1984 [AGP 21], v.a. 38-51; Wallmann, Theologie und Frömmigkeit, 295-324, v.a. 315. 322. 390-421).
44 IKor 1,23.