Nr. 110 n.J. Spater an AM. Francke 19.10.1695
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dauet, mit keiner andern härtren speise sie mehr zu beschwehren (oder ihren fürwitzigen gelüsten ein gnüge zuthun) haben 45 , als da ihr geistliches leben dardurch befordert würde. Welchen aber solche erkantnus dienlich, und die in jenem bereits fest stehen, denen kan bey andern gelegenheiten was ihnen 120 nutzlich beygebracht, und sie in den predigten nur mit solchen gemeinen Worten, daran sich die übrige nicht stoßen, darauff gewiesen werden. Uber die sache selbs halte nicht darvor, das unter unsrem gnädigsten Churfürsten einige sorge einer gefahr zuhaben seye, weil der Refomirten lehrer soviele der meinung zugethan: wo aber der Frau D. Petersin 46 meinung wegen des 125 loci tertii und zustand der Seelen nach dero abschied 47 darzu kommen solte, so sehe wo solches außbricht ein feuer und unheil, deßen ende nicht zu übersehen, und welches zu keiner zeit als dieser unbequemer außbrechen könte. Ich habe deswegen bereits geschrieben, schreibe auch heut nochmal an die liebe Frau Petersin, sie flehentlich bittende, diese sache in ihren comment[arium] 130 über Apocalypsin nicht zusetzen 4B , als woran sich allzuviele, auch gute seelen, mächtig stoßen, und gar von allem abwendig machen laßen würden: wo sie aber ja dar vor halte, sie könte, was sie eine Wahrheit glaubet (dero grund wie er angeführt wird mir gleichwol in der schrifft allzuschwach vorkommet) nicht verhälen, das sie es lieber in einem besondern tractätlein ohne beyset- 135 zung eines nahmens publicirte. 49 Ich bekenne, es ist dieses eines meiner recht schwehren anligen: und erfahre so offt, das ich mehr kummer u. sorgen von liebsten freunden außstehe, als nimmer von feinden, dero ihre angriffe mich bißher noch nicht leicht je in angst oder forcht gesetzet haben.
Herrn Hacken belangend 30 , bitte ihn widerum gelegenlich zu grüßen: 140 mit vermelden, das von mir wenig versprechen könne, als an den gar selten
117 /mit/. 118 haben, ]: Am linken Rand. 118 /da/. 119 /die/. 123 /unter/. 124/ einer gefahr/. 132 /von allem/. 134 /wie er angeführt wird/.
45 Vgl. IKor 3,2 u. Hebr 5,12-14.
46 Johanna Eleonora Petersen (s. Brief Nr. 7, Anm. 46).
47 Spener hielt die Annahme eines dritten Ortes im Jenseits und damit verbunden einer möglichen Versöhnung nach dem Tod für biblisch nicht ausreichend begründbar und verglich sie mit der katholischen Vorstellung von einem Purgatorium ([Pli.J. Spener], Anmerckungen über den Zustand der Seelen nach dem todt, AFSt/H A 125: 133, vgl. Brief Nr. 115, Anm. 2).
48 J.E. Petersen, Anleitung zu gruendlicher Verstaendniß der heiligen Offenbahrungjesu Christi/ welche Er seinem Knecht und Apostel Johanni Durch seinen Engel gesandt und gedeutet hat/ [...] Mit einer zur Vorbereitung dienlichen Vor=Rede und Dreyfachen Anhange/ [...], Frankfurt a.M. u. Leipzig, 1696. - Aus einem Brief Speners an Johann Wilhelm Petersen vom 28.12.1695 (AFSt/H C 146: 15) geht hervor, daß Frau Petersen Speners Bitte zunächst offenbar nicht entsprochen hatte: Spener sendet Änderungsvorschläge für einen Bogen des Buches und erfährt im Januar 1696, daß Frau Petersen „die anstößige materie um der schwachen willen übergehen, und den einen bogen umtrucken laßen" will (Spener an J.W. Petersen, 18.1.1696, AFSt/H C146: 17). — Ein Schreiben Speners an Frau Petersen wurde nicht ermittelt.
49 [Johann Wilhelm u. Johanna Eleonora Petersen], Das ewige Evangelium der allgemeinen Wiederbringung aller Creaturen (s. Brief Nr. 222, Anm. 6; vgl. Groth [s. Anm. 43], 46).
50 [Daniel (?)] Hacke (s. Brief Nr. 109, Z. 7-14 und Anm. 6).