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Nr. HO Ph.J. Spencr an A.H. Fratuke 19.10.1695

dergleichen conditiones die ihm anständig wären kommen. Auff den jungen Herrn v. GersdorP mögen die Eltern 52 bereits ander absichten haben. Die Schenckelin alhier ist unterschiedlich gewarnet worden, ihren söhn dem

145 Zoller nicht zulaßen 53 , u. hat sie sich selbs ihr unglück zu dancken. Der Sohn aber dauert mich selbs, wo er in die irre herumzulauffen gerath: vermuthe aber immer, er werde den weg nach hause suchen. Wo sie hätte folgen wollen, wäre hier bey guten freunden rath dazu gewesen. Zollern selbs belangend, ist er ein gefährlicher Mann, u. hat mir nicht wenig geschadet 34 , einerseits wann

150 er zu weilen guts von mir geredet, und sich vor meinen discipul außgegeben, wie in Dreßden geschehen, u. er dergleichen in Hamburg auch gethan zu haben, selbs spricht, daher alle seine extravaganzen mir mit zugeschrieben worden: anderseits wann er böses von mir geredet, so auch mehrmal ge­schehen. Wir haben uns nie mit einander betragen können, denn ich von

155 dem ersten mal an, ihm stets seine Schuldigkeit, nicht in müßiggang u. von anderer gütigkeit, sondern von eigner arbeit zu leben, vorgehalten, so ihm nie eine angenehme rede war. Etliche mal habe ihm etwas gegeben: aber leyhen wolte ihm auff die stunde nicht, er müßte dann in gantz anderen stand sich begeben. Daher auch ihn selten admittirt, mit ihm zureden, dann was ich

160 ihm einmal gesagt, wäre allemal zu widerholen gewesen. So habe mich auch nie zu keinem attestato verstehen wollen (darzu zwahr ohne das schwehr komme) noch würde ihm auch künfftig dergleichen ertheilen. Er hat Herrn Schaden u. mir hie viel widrigs erzeiget, sonderlich jenem, weil er ihn mehr zu sich geladen, noch mehr geschadet. Der Herr rechne es ihm nicht zu. 55

165 D. Schelwig hat auch jetzt in sfeinem] lästerlichen itinerario Antipietistico von ihm zu unsrem nachtheil meidung gethan. 56 Jetzt soll er sich bey den Reformirten zu ihnen zutreten, angemeldet haben, aber auch wider wendig werden wollen; wie er sich nicht rathen laßet, so ist fast mißlich, mit ihm umzugehen. Indeßen dancke ich freundlich vor die nachricht, so mir zwahr

170 von ihm nicht fremde vorkam.

Auß Leipzig hoffe werde bereits übersandt sein worden, oder übersandt werden, meine Verantwortung gegen die Wittenberger, Carpz[ov] und May-

142f Auff den jungen ... absichten haben. ] -D. 155 /stets/. 164 gesch/adet.(?)/ : ge(- schmert(?)). 164 /Der Herr rechne es ihm nicht zu./

51 Nikolaus jun. oder Gottlob Friedrich von Gersdorf (s. Brief Nr. 109, Anm. 8).

52 Henriette Katharina (s. Brief Nr. 5, Anm. 10) und Nicolaus Baron von Gersdorf (gest. 1702).

53 Der Sohn der Witwe Christoph Schenkels (s. Brief Nr. 86, Anm. 4) hatte offenbar in einem Waisenhaus Johann Jakob Zollers (s. Brief Nr. 109, Anm. 13) gelebt und war entlaufen (s. Brief Nr. 109, Z. 15-20).

54 Francke hatte in seinem Brief vom 8.10. von einem Gespräch mit Zoller berichtet, in dem sich dieser über Spener beschwert hatte (s. Brief Nr. 109, Z. 20-26).

55 Biblische Redeweise vgl. z.B. Ps 32,2 und 2Kor 5,19.

56 S. Schelwig, Itinerarium Antipietisticum (s. Brief Nr. 79, Anm. 3), 21f; vgl. Brief Nr. 109, Anm. 13.