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Nr. 112 Ph.J. Später an A.H. Francke 10.12.1695

112. Ph.J. Spener an A.H. Francke

Berlin, 10. Dezember 1695

Inhalt

Adjunktur für Johann Anastasius Freylinghausen ist inzwischen genehmigt. Ist wie damals in Frankfurt besorgt wegen Separatisten in Leipzig und Merseburg. Hat aus Dresden ein besorgtes Schreiben wegen der Observationes erhalten.

Überlieferung

A: AFSt/H A 125: 52

D: Kramer, Beiträge, 340-341

Von unsrem Adventskönig alles heil und gnade!

In demselbigen hertzlich geliebter Bruder, HochgeEhrter Herr und Gevatter.

Ich wünsche daß diese Zeilen sowol denselben als die gesegnete Frau Gevatte­rin 1 und nechstmal schwach gewesenes Söhnlein 2 in solchem zustand finden mögen, als sie selbs zu verlangen haben. Hiemit habe berichten sollen, daß Gott nach seiner hertzenslenckenden krafft 3 gnade gegeben zu unsrem vorha­ben. Ich habe also gegen ende voriger woche und noch heut theils schrifFtlich theils mündlich die sache der adjunetur Herrn Freylingshausens, sowol Herrn praesidjenten] von Fuchs als den Herrjen] OberCuratoribus der universitet pro rei momento bestens recommendiret 4 : dahero gnädigste Churf|ürstliche] willfahrung erfolget, und nechst außgefertiget werden wird. 5 Gott laße es als ein werck, welches seine ehre allein zum zweck hat, auch zu dero Ver­mehrung, geliebten Bruders theils erleichterung theils kräfftiger Verrichtung seiner beiden ämter, und der gemeinde reicherer erbauung, herlich gesegnet werden. Wegen der besoldung habe diesesmal nicht zugleich widerum an- regung thun wollen 6 , damit bey Vortrag von zweyerley eines das andre nicht

1 Anna Magdalena Francke (s. Brief Nr. 81, Anm. 24) war zu diesem Zeitpunkt im 6. Monat schwanger; ihr zweiter Sohn, Gotthilf August, wurde am 21.3.1696 geboren (s. Brief Nr. 118, Anm. 9).

2 August Gottlieb Francke (s. Brief Nr. 99, Anm. 16).

3 Vgl. Ps 33,15.

4 Francke hatte entsprechend Speners Rat in der Sache der Adjunktur für Johann Anastasius Freylinghausen (s. Brief Nr. 94, Anm. 5) am 3.12.1695 Schreiben an Paul von Fuchs (s. Brief Nr. 95, Anm. 4), an die Oberkuratoren der Universität Daniel Ludolf von Danckelmann (s. Brief Nr. 82, Anm. 3) und Johann Friedrich von Rhetz (s. Brief Nr. 86, Anm. 10) sowie ein Memorial an den Kurfürsten verfaßt (vgl. Brief Nr. 110, Anm. 18, 20 und 22). Entsprechende Schreiben Speners sind nicht überliefert.

5 Das kurfürstliche Reskript, Freylinghausen als Adjunkten in Glaucha einzusetzen, datiert vom 10.12.1695 (s. Brief Nr. 110, Anm. 25).

6 Bereits am 12.11.1694 war Francke in einem kurfürstlichen Reskript ein Professorengehalt zugesagt worden (s. Brief Nr. 94, Z. 16-18 und Anm. 4).