438 Nr. 116 A.H. Fraticke an Ph.J. Spencr 7.3.1696

nechsten Tagen dazu bekommen werde 39 , deren unterhalt und gäntzliche Erziehung doch jährlich etliche Hundert thaler erfordert.

130 Aber die Armen Schule ist ziemlich starck worden, dazu nun 4 Praecepto- res gehalten 40 , und weil es mir an Gemächligkeit fehlet, noch 2 Stuben und Kammern dazu erbauet werden 41 . Der Kinder aber sind über Hundert, und werden täglich 7 Stunden unterrichtet, und wird wöchentlich die Zahl ziem­lich vermehret. Die Hand des Herrn ist offenbarlich mit im Wercke, der auch

135 alles wol ausführen wird. Der andern, mehrentheils fremden Knaben, die auch in guten Künsten und Wissenschafften unterrichtet werden sind jetzo 35 42 , dazu auff der Eltern Unkosten 7 Praeceptores von frommen und geschickten Studiosis 43 gehalten werden. Der Herr laße mir diese Knaben gerathen, wie die Pfeile in der Hand eines starcken. 44 Ich zweiffele nicht, so mein theurester

140 Vater ferner etwas beytragen kan zu beförderung solcher wichtigen Dinge, sonderlich der Armen und Waysen Erziehung und Verpflegung, er werde mir mit Freuden darinnen die Hand bieten. Womit vor diesesmahl von Meiner Gehülffin 45 , deren glückliche] Niederkunflt wir vom Herrn mit Verlangen erwarten 46 , und der Fr. Stiffts=Hauptmännin von Stammer 47 Denselben und

Diese Angaben Franckes lassen sich anhand des Waisenalbunis nicht verifizieren. Zwischen der Aufnahme der ersten 7 Kinder am Ende des Jahres 1695 und der Ankunft weiterer Kinder ab Mai 1696 liegen keine Eintragungen vor (Waisenalbum, 1. 279).

40 Als Präzeptoren der Armenschule waren Studenten tatig, die namentlich nicht aufgeführt sind.

41 Die Räume wurden im Frühjahr 1696 an das im Oktober 1695 erworbene Haus neben dem Pfarrhaus angebaut, nachdem für die Finanzierung mehrere Spendenbeträge eingegangen waren (s. Brief Nr. 110, Anm. 40 und Kramer 1, 169f)T

42 Die im AFSt/S vorhandene Abschrift der Schülerliste des Pädagogiums ab 1695 gibt kein genaues Eintrittsdatum der Schüler an. Auch liegt bis zum Beginn des Jahres 1698 keine Untertei­lung nach Jahren vor, so daß sich die Angabe Franckes nicht verifizieren läßt. Geht man davon aus, daß tatsächlich die ersten 35 Eintragungen aus der Zeit bis zum Frühjahr 1696 stammen (wobei dann für den Zeitraum bis Ende 1697 nur noch 34 weitere Eintragungen vorliegen würden), kann festgestellt werden, daß die ersten 35 Schüler zu mindestens 75% aus Halle und der näheren und weiteren Umgebung (v.a. Thüringen und Harz, auch Wolmirstedt, Berlin und Potsdam) kamen, wobei für vier Schüler keine Angabe über den Herkunftsort vorliegt (AFSt/S A I 196 e , 13).

43 Als Präzeptoren am Paedagogium werden bis zum Frühjahr 1696 erwähnt (vgl. AFSt/S A I 194, 9-10; Dreyhaupt 2, 170): Ludolph Christoph Deichmann (Teichmann) (um 1670-26.4.1725), geb. in Einbeck bei Hannover; 1692 Studium in Halle, 1695 o. Informator am Paedagogium Re- gium, 1700 Pfarrer in Nauendorf am Petersberg, 1705 Diakon, 1718 Pfarrer an St. Laurentius auf dem Neumarkt in Halle [Matrikel Halle, 445; Dreyhaupt 2, 170. 606; Pfarrerbuch KPS 2, 288]); Christian Andreas Bernstein (s. BriefNr. 182, Anm. 14); Jacob Bruno Wiegers (s. Brief Nr. 114, Anm. 17); Johann Christoph Mehder (s. Brief Nr. 191, Anm. 12); Tobias Führer aus Ungarn; Martin Kipsch (s. Brief Nr. 21, Anm. 15); Hermann Nicolaus Stieler (später Rektor des Erfurter Gymnasiums); Johann Albert Lasius aus Goslar (1701-1717 Pfarrer bei Lüneburg [Pfarrerbuch Hannover 1, 218; 2, 429]); Christian Toellner (s. Brief Nr. 203, Anm. 6).

44 Ps 127,4.

45 Anna Magdalena Francke (s. Brief Nr. 81, Anm. 24).

4,1 Gotthilf August Francke wurde am 23.3.1696 geboren (s. BriefNr. 118, Anm. 9). 47 Sophia Maria von Stammer (s. Brief Nr. 14, Anm. 7).