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Nr. 131 Ph.J. Später an A.H. Francke 16.2. 1697
4. Das er ohne censur (wie zwahr ohne das dergleichen verboten) nichts weiter trucken laße.
Wo dieses von ihm erhalten, so hoffe, solte durch Gottes gnade sich bald alles zimlich wider legen, ob wol es gute zeit bedörffen wird, das das ver-
70 trauen wider erneuert, und was nidergerißen wider völlig gebauet werde. Aber es bey dem lieben mann, und auch bey einigen andern, in solche wege zurichten, bedörffte es wol vertraulichen Zuspruchs solcher leute, die etwas bey ihm vermögen, am allermeisten aber, das man glaubte, man könne auch fehlen, und seye nicht eben allemal bloß göttlicher trieb, was man auch bester
75 meinung thut, hingegen seye es nutzlich, manchmal auch anderer Christlicher freunde rath zu folgen. Der Herr aber zeige uns selbs seinen rath, um denselben recht zu erkennen, und verleyhe krafft denselben zu vollbringen: so dann bringe er selbs zu recht was menschen nicht vermögen. Ach er thue es um seines nahmens willen! Von dem was mit den mägdgen vorgegangen, hätte
so nicht geschrieben, wo nicht hoffte, geliebter Bruder möchte auch etwas mit einrathen können, so dann das man sich beßer drein richten könte, wo etwas, wie sorgen muß, durch andre an ihren ort kommen solte.
Nun hätte ferner auch wegen des desiderii betreffend die arme 13 etwas zu gedencken, aber bekenne, das noch nichts habe thun können. 1. Mit
85 Herrn Cammer R[ath] Krauten 14 , habe zureden noch bedencken gehabt, weil er mich fragen wird, ob ich sein neulich petitum (so darinen bestanden, gelfiebten] Bruder dahin zu persuadiren, das er sich zum mediatore Herrn L. Buddeum 15 bey Herrn D. Breithaupten außzusöhnen 16 , und was er von
72f | solcher leute, die etwas bey ihm vermögen |. 76 selbs + (in(?)).
13 S. Anm. 1.
14 Christian Friedrich von Kraut (s. Brief Nr. 13, Anm. 4).
15 Johann Franz Buddeus (Budde) (25.6.1667-19.11.1729), geb. in Anklam; 1685 Studium in Wittenberg (1687 Magister), 1689 Adjunkt der philos. Fakultät ebd., dann Vorlesungen in Jena; 1692 Prof. der griechischen und lateinischen Sprache am Gymnasium in Coburg, 1693 Prof. der Moralphilosophie in Halle, 1695 Lic. theol., 1705 Dr. theol. ebd.; seit 1705 Prof. theol. in Jena, seit 1714 zudem Kirchenrat in Sachsen-Hildburghausen und Prof. primarius in Jena (DBA 158, 113-142; ADB 3, 500f; NDB 2, 715; RGG 4 1, 1826;Jöcher 1, 1458f; Dreyhaupt 2, 597).-Buddeus, der als Ubergangstheologe gilt und die eklektische Methode förderte, wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts von den Wittenbergern des Pietismus verdächtigt (vgl. A.F. Stolzenbuhg, Die Theologie desjo. Franc. Buddeus und des Chr. Matth. Pfaff. Ein Beitrag zur Geschichte der Aufklärung in Deutschland, Berlin 1926; Tu. Wotschke, Gottlieb Wernsdorf wider Joh. Franz Buddeus, in; ZKG 54, 1935, 587-601; Gierl, 512. 558f u.ö.). Er stand mit Francke in freundschaftlicher Verbindung und nahm Gotthilf August Francke (s. Brief Nr. 118, Anm. 9) in dessen Jenaer Studienzeit in seinem Haus auf (vgl. G.A. Francke, Hertzliebe Mama [s. Brief Nr. 118, Anm. 9], 156 [Personenregister mit Verweisen auf einzelne Briefe]). Zumindest in den 1690er Jahren gestaltete sich das Verhältnis Buddeus' zur Hallenser theol. Fakultät jedoch spannungsvoll (vgl. Anm. 16).
16 Wie aus den Briefen Breithaupts an Spener hervorgeht, hatte sich dieser dagegen geäußert, Buddeus nach dessen 1695 erfolgter Promotion zum Licentiaten der Theologie die Leseerlaubnis an der Hallenser theol. Fakultät zu erteilen. Breithaupts Bedenken betrafen dabei zunächst den