Nr. 142 A H. Francke an Ph.J. Später 8. 1.1698

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lieh. Carl verhält sich noch wol 14 , u. hat mir einen sehr feinen lateinischen neuen jahres Wunsch gebracht 15 . Den jungen Hoppen von Dantzig 16 wil mir gern laßen recommendiret seyn. Wir haben jetzt hier viel Erquickung an der Conversation des Herrn Ludolphs 17 , der ehemals aus London mit mir corre- spondiret' 8 , und jetzt mit einem jungen Engelländer 19 bey mir am Tische ist. Es ist auch ein Russischer Herr 20 bey uns gewesen, dem das Werck des Herrn sehr in die Augen geleuchtet, so daß er mit sehr großer Vergnügung von uns gezogen. Wir haben ihm unter andern Arends 21 Wahres Ch[ristenthum] verehret 22 , welches er versprochen in die Russische Sprache zu übersetzen 23 , denn er verstehet sehr wohl teutsch.

Auff den Montag gedencke nach Leipzig zum Herrn von Tschirnhausen 24

14 Jakob Karl Spener war seit dem Frühjahr 1697 Schüler des Paedagogium Regium in Halle (s. Brief Nr. 133, Anm. 17).

15 Nicht überliefert.

16 Johann Samuel Hoppe (s. Brief Nr. 141, Anm. 27).

17 Heinrich Wilhelm Ludolf (s. Brief Nr. 111, Anm. 1.) war von Anfang November 1697 bis Mitte März 1698 in Halle (vgl. Heinrich Wilhelm Ludolf an Francke, 30.10.1697, AFSt/H A 112: 27-30, und 17.3.1698, AFSt/H D 71: 1) und hielt in dieser Zeit einen Russischkurs (vgl. D. Cyzevs'kyi, Zu den Beziehungen des A.H. Francke-Kreises zu den Ostslaven, in: Kyrios 1939/40, 286-310, hier 289).

18 Vgl. Briefe Nr. 116, Z. 163-165 und Nr. 127, Z. 15-17.

19 John Turner, Sohn des Londoner Kaufmanns Jakob Turner, eines Freundes Ludolfs; ging 1698 mit Ludolf über Italien als Handelslehrling nach Smyrna (vgl. Ludolf an Francke, 30.10.1697, 27 r ; Ludolf an Georg Heinrich Neubauer, Halle, 29.1.1698, AFSt/H D 88: 150; Jean [John] Turner an Francke, Livorno, 12.8.1698 [franz.], SBPrKB, Nachlaß Francke, Kaps. 30, Fase. X, 378 [hier der Vorname]; Briefe Jakob Turners an Francke, SBPrKB, aaO, 381-389; Wilson, Ludolf [s. Brief Nr. 111, Anm. 1], 102 [ohne Vornamen]).

20 Fedor Stepanovic Saltykov (um 1675-1715); 1697 Schiffahrtslehrling in Holland, 1700 Teilnahme an der Narva-Schlacht; später vor allem Aufenthalt in Holland und England (vgl. Cy- zevskyi [s. Anm. 17], 287, Anm. 8; Russkij Biograficeskij Slovar, Bd. Sa-Sm). Saltykov hielt sich zu Beginn des Jahres 1698 in Halle offenbar als Beauftragter des Zaren Peter [. (s. Brief Nr. 165, Anm. 16) für die Aufsicht über die in Mittel- und Westeuropa studierenden Russen auf, um sich über die Universität und die von Francke gegründeten Schulen zu informieren (s. Winter, lOOf). Den Kontakt zu Francke hatte Ludolf, der Saltykov selbst in Halle treffen wollte, vermittelt (s. J. Tetzner, Heinrich Wilhelm Ludolf und Rußland, Berlin 1953, 53).

21 Johann Arndt (s. Brief Nr. 77, Anm. 5).

22 J. Arndt, Vier Bücher vom wahren Christentum (s. Brief Nr. 77, Anm. 6). - In der Wid­mung in russischer Sprache, die vom 5.1.1698 datiert, betont Francke die enge Verbundenheit von Halle und Rußland, verspricht gute Bedingungen für Russen in Halle und erbittet zugleich Schutz für Hallenser in Rußland (vgl. Cyzevskyi [s. Anm. 17], 287-289).

23 Dieses Versprechen löste Saltykov wie auch der ein Jahr später in Halle weilende Russe Peter Postnikov nicht ein (vgl. Winter, 101). Die Übersetzung leistete erst am Anfang der 1730er Jahre Simeon Todorsky (Q. Arndt], ctiri knigi o istinnom christianstve [...], Halle 1735; vgl. die bei Winter, 402-415, abgedruckte Korrespondenz Gotthilf August Franckes in der Sache aus den Jahren 1734/35).

24 Ehrenfried Walter von Tschirnhaus (10.4.1651-11.10.1708), geb. in Kieslingswalde in der Oberlausitz; 1668 Studium in Leiden, 1672 Militärdienst in den Niederlanden, danach Reisen durch Frankreich, Italien, Sizilien und Malta; 1682 Mitglied der königlichen Akademie in Frank­reich; 1692/93 Ablehnung der Übernahme des Kanzleramtes an der Universität Halle, 1702 königlich polnischer und kursächsischer Rat (DBA 1288, 66-90; ADB 38, 722-724; Jöcher 4,