Nr. 143 Ph.J. Später an A.H. Franckc 27.4.1698 533

143. Ph.J. Spener an A.H. Francke

Berlin, 27. April 1698

Inhalt

Carl Hildebrand Freiherr von Canstein befördert Brief nach Halle. — Berichtet von Besuch derer von Pröck und [Johann Jakob] Beyschlag. - Versucht Mißverständnisse um Jakob Karl Speners Reise nach Leipzig zu klären. - Johann Fischer kommt erst nach der Hochzeit seiner Tochter mit Johann Anton Söldner nach Berlin. - Berichtet erneut von Unruhen wegen der noch aus­stehenden Regelung der Privatbeichte. - Propst Philipp Müller bringt Andreas Rittners Sohn Samuel nach Halle.

Überlieferung

A: AFSt/H A 125: 73

D: Kramer, Beiträge, 381-382

Von unsrem durch leiden in seine herlichkeit eingegangenen Heiland Jesu Christo alle seiner leiden Verdienste und seines lebens krafft!

In demselben hertzlich geliebter Bruder, wehrter Herr gevatter.

Weil Herr B[aron] von Canstein 1 jetzo zu ihnen reiset, habe den vor etz­lichen stunden erst empfangenen brieff 2 sobald beantworten wollen. Es

1 unsrem ( unsres. 4 habe + (sobald).

1 Carl Hildebrand Freiherr von Canstein (4.8.1667-19.8.1719), geb. in Lindenberg bei Berlin; 1683 Jurastudium bei Samuel Stryck (s. Brief Nr. 31, Anm. 21) in Frankfurt/Oder; Reisen durch Westeuropa, Italien, Osterreich und Böhmen, 1688 Rückkehr nach Berlin und einige Zeit wohl Tätigkeit als Kammerjunker, spätestens ab 1694 persönlicher Kontakt zu Spener; seit 1696 ohne öffentliche Ämter maßgebliches finanzielles, politisches und persönliches Engagement beim Aufbau des Halleschen Waisenhauses, u.a. ab 1710 eines Bibelwerkes (1721 „Cansteinsche Bibel­anstalt"); 1707 Heirat mit Bertha Sophie von Krosigk (1663-1708) (DBA 177, 272-292; ADB 3, 764; NDB 3, 126; TRE 7, 614-617; Jöcher 1, 1628; RGG 4 2, 55;J. Lange, Anhang vom Lebens­lauf des seligen Herrn Baron v. Canstein. In: Carl Hildebrand von Canstein. Das Muster eines rechtschaffenen Lehrers, Halle 1740, 371-404; Hinrichs, 59-125 u.ö.; E. Hoffmann-Aleith, Die älteste Bibelanstalt der Welt. Freiherr von Canstein, die Geschichte seiner Bibelanstalt, Wit­ten-Berlin 1972). - Von Cansteins umfassende Förderung des Waisenhauses in Halle, die offenbar mit einem zu Beginn der 1690er Jahre in Todesnot gegebenen Gelöbnis zu lebenslangem Gottes­dienst in Zusammenhang zu bringen ist und eine durch Spener vermittelte intensive Freundschaft zu Francke einschloß, bildet dessen Hauptwerk (vgl. v.a. A.H. Francke, Memoria Cansteiniana, Halle 1722; Deppermann, passim; Schicketanz; ders. [Hg.], Canstein/Francke; ders., Carl Hildebrand Freiherr von Canstein. Leben und Denken in Quellendarstellungen, Tübingen 2002 [Hallesche Forschungen, 8]). Literarisch bedeutsam ist die Herausgabe von Speners Letzten Theo­logischen Bedenken, Halle 1711, durch von Canstein mit der ersten maßgeblichen Biographie Speners als Vorrede. Die Harmonie und Auslegung der heiligen vier Evangelien [...], Halle 1718, bildet eine umfangreiche Zusammenstellung von Kommentarexzerpten.

2 Ein entsprechend dieser Angabe vom 26.4.1698 datierender Brief Franckes ist nicht über­liefert.