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Nr. 143 Pk.J. Spener äh Ä.H. Francke 27.4.1698
haben mich die Herrfen] Pröcken 3 und Herr Beyschlag 4 diesen nachmittag besucht, und wird dieser sobald wider zurücke gehen. Jene aber gedencken noch ihre amitam zu Strelitz in Meckelburg 5 zu sprechen. Der Vater 6 war mir bekant, und hat nach seiner erkantnus der frommigkeit sich beflißen, aber 10 nirgend fortgekonnt, Gott wolle in den Söhnen den guten funcken ferner aufiblasen.
Daß unserm Jacob Carl die reise nach Leipzig zugelaßen worden, ist auß- trücklich mit dem vorbehält geschehen, wo solches gut gefunden werde: und nur leid, daß unsre meinung nicht deutlich gnug muß exprimiret gewesen 15 sein. 8 Der Herr führe ihn durch seine gnade, und segne die an ihm erweisende treue.
Herrn D. Fischers 9 ankunfft, auff die mich noch diesen monat gefreuet hatte, ist widerum etwas verschoben: in dem er seine tochter 1 " an D. Soldnern 11 verheurathet, und solle die hochzeit medio Maji geschehen, nach dero er sich 2ü bald auff den weg machen will. Gott bringe ihn mit segen herauß. Ich habe hertzlich verlangen nach ihm, und hoffe in mehrern von ihm nutzlich rath.
Die Unordnungen wegen des beichtwesens nehmen hier mehr überhand: Dann da der Hoff das reglement wegen einiger freyheit zu publiciren noch differirt 12 , und nöthig helt, das wegen aller besorgender motuum solches in
3 In Frage kommen hier die aus Pommern stammenden Studenten Ernst Ludwig, Carl August und Ludwig Wilhelm von Pröck: ersterer war 1693, letztere 1696 in Halle immatrikuliert worden (Matrikel Halle, 340).
4 Wohl der Jurastudent Johann Jakob Beyschlag (19.4.1675—26.9.1752), geb. in Schwäbisch- Hall; 1693 Studiurh in Wittenberg (1694 Magister phil), 1696 in Halle; 1700 Ratssekretär, 1728 Ratsherr in Schwäbisch-Hall (DBA 97, 378; Matrikel Halle, 25; Auskunft Kirchenregisteramt Schwäbisch-Hall an das Archiv der Franckeschen Stiftungen).
5 Nicht ermittelt.
6 Nicht ermittelt.
7 Jakob Karl Spener (s. Brief Nr. 133, Anm. 17) war nach Leipzig gereist, um Adam Rechenberg (s. Brief Nr. 1, Anm. 6) und dessen Familie zu besuchen und dort auch seine Mutter zu treffen (Schicketanz, 78).
8 Jakob Karls Reise nach Leipzig hatte zwischen Francke und Spener offenbar deshalb eine Mißstimmung ausgelöst, weil Susanne Spener (s. Brief Nr. 15, Anm. 16) sich mit ihrem Sohn getroffen hatte, um zu erfahren, was er im Paedagogium in Halle inzwischen gelernt habe. Nach von Cansteins Darstellung sei das Ergebnis für sie sehr unbefriedigend gewesen: Sie habe vor, sich bei Francke über die „schlechte erziehung ihres Sohnes heftig zu beklagen" (Canstein an Francke, 14.5.[1698], Canstein/Francke, 24f, Zitat 24). Von Canstein hält es für wichtig, daß solche „affaire", durch die „den leuten alhier böse Impressionen gemacht werden möchte[n]", in Zukunft vermieden werde (aaO, 24).
(; Johann Fischer (s. Brief Nr. 116, Anm. 52).
1(1 Söldner, geb. Fischer, Tochter Johann Fischers (der Vorname wurde nicht ermittelt).
11 [Johann Anton (?)] Söldner (s. Brief Nr. 120, Anm. 27).
12 Die definitive Aufhebung der Pflicht zur Privatbeichte durch den Kurfürsten erfolgte am 20.6.1698 (GStA PK HA II, Rep. 47, Nr. B 4, Fase. 18, Bl. 174-176). Die Publikation des Edikts, das nur für die Residenzstädte Berlin und Cölln Gültigkeit hatte, verzögerte sich bis zum 16.11.1698 (Sr. Churfürsfl. Durchl. zu Brandenburg/ Gnädigstes DECISUM, Wegen der Freyheit Des Beicht=Stuhls/ In Dero Residentien. Im Jahre 1698).