Nr. 143 Ph.J. Spener an A.H. Francke 27.4.1698

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deßen praesentz geschehe 13 , so fangen nun die jenige, welche die freyheit 25 praetendiren, an dieselbe ihnen selbs zunehmen, und finden sich ohngefragt bey der communion ein. 14 Man hat bedencken, sie öffentlich abzuweisen, sonderlich weil keiner der administrirenden collegen 15 weißt, ob sie bey dem andern gebeichtet haben: Hingegen wird auch ihre admission sehr verdacht. Sorge also das, da es unser liebe Herr Schad 16 gut zumachen gemeint, das 30 meiste viel schlimmer werden werde. Es haben mir einige ins gesicht gesagt, es wäre Christum verleugnet, wann sie wider zur beicht giengen, und weil er ihnen nicht darüber zuspricht, so gilt kein ander zureden etwas bey ihnen: ja wo die eifferer erfahren, das jemand von ihnen sich wider zur beicht ein­finden will, über lauffen sie denselben und suchen ihn auff alle weise darvon 35 abzuhalten 17 : das es je länger je mehr fast die gestalt einer faction 18 gewinnet, und alles nur darinnen bestehet, fest beysammen zu halten. Der Herr sehe mit erbarmen drein, zeige seinen willen selbs und führe ihn herrlich hinauß 19 . In deßen treue obhut, segen und regirung mit wehrtem lieben hauß hertzlich empfehlende verbleibe 40

Meines Hochgeehrten Herrn Gev[atters] und wehrten Bruders zu gebet und liebe williger

Philipp Jacob Spener D. Mppria

Berlin den 27. Apr. 1698.

Herrn Rittners meines archidiaconi zu S. Marien 20 Sohn 21 ist unterwegen, 45 in ihr paedagogium durch Herrn Propst D. Müllern 22 gebracht zu werden.

26 /an/. 30 /da/. 35 /über/.

13 Der Hof hielt sich seit Mitte April in Königsberg auf (vgl. Obst, 101).

14 Dies hatte Spener bereits in seinem Brief vom 31.12.1697 (s. Brief Nr. 141, Z. 2427) berichtet.

15 Johann Paul Astmann (s. Brief Nr. 110, Anrn. 65) und Johann Schindler (s. Brief Nr. 110, Anm. 12).

lfl Johann Caspar Schade (s. Brief Nr. 19, Anm. 12).

17 Vgl. schon Brief Nr. 141, Z. 28-34.

18 Lat. Anhang, Partei, Sekte.

19 Vgl. Jes 28,29.

20 Andreas Rittner (s. Brief Nr. 23, Anm. 48).

21 Samuel Rittner (gest. 23.8.1720); 1698 Schüler am Paedagogium Regium in Halle, 1700 Studium in Jena, 1705 in Frankfurt/Oder (1706 Dr. theol.); 1706 Pfarrer in Kolberg in Hinter­pommern (DBA 1043, 240; AFSt/S A I 196, 6, Nr. 77; Matrikel Jena, 645; Matrikel Frankfurt/ Oder 2, 269; Pfarrerbuch Pommern 2, 205).

22 Philipp Müller (1640-1713), geb. in Sangerhausen; 1657 Studium in Jena, 1661 Magister und Adjunkt der philos. Fakultät ebd.; 1663 Prof. der Beredsamkeit und Poesie in Jena, Dr. theol.; 1680 Propst des Klosters Unser Lieben Frauen in Magdeburg; einjähriger Arrest in Spandau wegen einer 1689 veröffentlichten Schrift gegen die Ehe des Herzogs von Sachsen-Zeitz mit der Schwester Friedrichs III. (I.) von Brandenburg (Fang des edlen Lebens durch fremde Glaubensehe, o.O. 1689); 1702 o. Prof. theol. in Jena und fürstlich sächsischer Kirchenrat (DBA 873, 129-135;