Nr. 148 PhJ. Spener an AM. Francke 21. 9. 1698

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gehalten werden, da Herrn Schardium 6 sprechen wollen, um auch bey Herrn 15 von Fuchs instantz zuthun, darzu er die beste gelegenheit hat, es ist aber auch eine stunde vorher wider abgesagt worden. Insgesamt aber ist mir bekant gnug, und erfahren es alle, das alle expeditiones alhier langsam hergehen, und will das gute zimlich weil haben 7 . Wegen Herrn M. Michaelis 8 hätte ich nicht gerathen, das alsobalden seiner wäre gedacht, sondern nur etwa einige monate 20 noch erst gewartet worden 9 : doch werde, wo mit mir darvon geredet wird, die sache gern secundiren. Der Herr aber segne alles zu seinem preiß.

Die inlage habe von Liechtenburg bekommen 10 : weil nun Herr Rhein 11

20 /worden/.

6 Vermutlich Levin Schard (gest. 12.1.1699), seit 1671 Bürgermeister und seit 1695 Consul perpetuus in Berlin (Müller/Küster 4, 409. 411.414), den Carl Hildebrand von Canstein (s. Brief Nr. 143, Anm. 1) als einflußreichsten Mittler gegenüber von Fuchs auch in Sachen der Über­lassung von Dubletten aus der Raritätenkammer an das Paedagogium (s. Brief Nr. 147, Anm. 11) empfahl (vgl. Canstein/Francke, 34).

7 Vgl. Wander 1, 638.

8 Wohl Johann Heinrich Michaelis (15.7.1668-10.3.1738), geb. in Klettenberg in der Graf­schaft Hohenstein; 1688 Studium in Leipzig und Tätigkeit als Hebräischlehrer, 1692 dass. in Halle, 1694 Magister und Leseerlaubnis in der griechischen und den orientalischen Sprachen, 1696 Adjunkt der philos. Fakultät ebd.; 1699 Studium der äthiopischen Sprache bei Hiob Ludolf (s. Brief Nr. 111, Anm. 2) in Frankfurt und Nachfolger Franckes als Prof. der griechischen und orientalischen Sprachen in Halle, 1707 Aufsicht über die Universitätsbibliothek, ab 1709 o. Prof. theol.; 1714 ca. zweijähriger Aufenthalt bei Carl Hildebrand von Canstein (s. Anm. 6) in Dalwitz, 1717 Dr. theol., 1732 Senior der theol. Fakultät und Inspektor des theol. Seminars (DBA 844, 29-52; ADB 21, 681-683; Jöcher 3, 514-516, EB 4, 1674-1676; RGG 4 5, 1207; Dreyhaupt 2, 672f; Matrikel Halle, 294; Canstein/Francke, 638. 649-653. 729 u.ö.). - Das Hauptwerk des Philologen und Theologen Michaelis, der u.a. eine hebräische Grammatik herausgab (Erleichterte hebraeische Grammatik [...], Halle 1702) bildet die kommentierte Ausgabe der Hebräischen Bibel (Biblia Hebraica [...], Halle 1720). An dieser waren zudem Mitglieder des Collegium Orientale theologicum, das Michaelis seit der Gründung im Jahre 1702 begleitete, beteiligt (vgl. Kramer 1, 252-256; 2, 115 u.ö.; K.H. Rengstorf, Johann Heinrich Michaelis und die ,Biblia Hebraica' von 1720, in: Zentren der Aufklärung. I. Halle. Aufklärung und Pietismus, hg. N. Hinske, Heidelberg 1989 [Wolfenbütteler Studien zur Aufklärung, 15], 15-70).

Vermutlich ging es um Franckes Nachfolge im Amt des Professors für griechische und orientalische Sprachen in Halle.

10 Brief Johann Adolf Rheins (s. Anm. 11) an Francke vom 10.9.1698 (SBPrKB, Nachlaß Francke, Kaps. 17, unpag.). Rhein hatte das Schreiben nach Berlin gesandt, weil Francke sich zu diesem Zeitpunkt dort aufhielt (s. Anm. 1); offensichtlich war Rheins Brief aber erst nach Franckes Abreise eingetroffen.

11 Johann Adolf Rhein (24.10.1646-2.3.1709), geb. in Frankfurt a.M; 1665 Studium in Jena, 1669 in Straßburg, 1676 Informator in Augsburg, seit 1677 bei Gottlieb Spizel; 1679 Pfarrer in Windsheim in Bayern, 1682 Pfarrer in Mülheim am Rhein; seit 1687 Hofprediger der verwitweten Kurfürstin Wilhelmine Ernestine, Kurfurstin und Pfalzgräfin bei Rhein (s. Brief Nr. 35, Anm. 6) in Lichtenburg an der Elbe, 1707 Superintendent in Neuruppin (Zedier 31, 1109f; Matrikel Jena 1, 634; Pfarrerbuch Rheinland 2, 410; Pfarrerbuch Brandenburg 2/2, 687). - Rhein, der seit dem Ende der 60er Jahre mit Spener in Kontakt stand und mit Johann Jakob Schütz zum engeren Kreis der Frankfurter Pietisten gehört hatte (näheres zu ihm und seinem Kontakt zu Spener s. Frank­furter Briefe 3, Brief Nr. 115, Anm. 1 u.ö.; Zedier ebd.; LBed. 1, 399-401. 405-407), pflegte